Beissvorfall in München

Nach Hundeattacke in Harlaching „Alle hier haben Angst“.

Nein, diese Überschrift habe ich nicht etwa der Zeitung mit den großen Buchstaben entnommen, sondern der, die ihre Leser dazu auffordert, anspruchsvoll zu sein. Dieser Maxime genügt die Süddeutsche mit ihrem Artikel über den Beißvorfall leider nicht. Wer als Leser nutzbringende Informationen erwartet, wird bitter enttäuscht. Billigste Meinungsmache gibt den Ton an. Gewollt oder nicht, mit einer derart manipulativen Berichtserstattung trägt die SZ zu einem zunehmend hundefeindlichen Klima bei. Dies wird deutlich, wenn man sich die Gestaltung des Artikels einmal genauer ansieht.

Bereits die Überschrift lässt vermuten, dass hier jemand schreibt, der nicht unbedingt um Sachlichkeit bemüht ist: durch die Wortwahl „Hundeattacke“ anstelle des wertfreien „Beissvorfall“ wird dem Hund eine aktive, aggressive Rolle zugesprochen. Fett darunter, geschickt als Zitat getarnt, steht: „Alle hier haben Angst“. Dies erzeugt doch bereits ein gewisses ungutes Gefühl beim Leser. Das Foto etwas weiter unten zeigt einen (oder den?) Hund, leicht von oben aufgenommen, sodass der mächtige Kopf betont wird, der Schatten, der weiter links zu sehen ist, lässt die Größe des gesamten Tieres erahnen. Der Blick des Hundes: direkt in die Kamera. Aufmerksam? Wachsam? Angriffslustig? Die Interpretation wird dem Leser überlassen. Alles dies ist dazu geeignet, bereits bevor relevante Informationen zum Vorfall aufgenommen werden können, ein diffuses Unbehagen, vielleicht sogar Angst zu erzeugen. Die Vorarbeit hierzu haben schließlich andere geleistet. Schreckliche Bilder von Opfern, aggressive Hunde, die quasi aus dem Nichts heraus angreifen. Dieses Kopfkino ist gelernt.

Inhaltlich beschränken sich die Informationen zum eigentlichen Geschehen auf das leider übliche: die Hunderasse (trägt die tatsächlich zur Erklärung bei?), das Alter und das Geschlecht des gebissenen Kindes, die Art der Verletzung und der Ort. Ein angeleinter Labrador-Mischlung hat auf einem Spielplatz ein zweijähriges Mädchen schwer ins Gesicht gebissen.

Viele Sätze werden darauf verwand, um die unterschiedlichen Meinungen, die mit Verlaub, alle schon mal irgendwie gehört wurden, darzustellen. Ganz zum Schluss wird dann noch auf ein Gutachten verwiesen, in einer Unterüberschrift (wieder ein Zitat) gleich als „absoluter Skandal“ etikettiert. Das Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass der Hund in einem Stresstest (genaueres wird nicht erläutert) mit einem Kind nicht auffällig gewesen wäre. Allerdings wird er als „Angstbeißer“ bei Bedrängung eingestuft.

So, rufen Sie sich bitte nochmals kurz ins Gedächtnis: der Hund war an der Leine, als er zugebissen hat. Angeleinte Hund sind in ihrem Bewegungsradius stark eingeschränkt, d.h. sie können die Distanz zu einem angstauslösenden Objekt oder Menschen nicht frei wählen und fühlen sich daher schneller bedrängt, was einen Biss auslösen kann. Da über den tatsächlichen Ablauf nichts bekannt ist, könnte ich an dieser Stelle nur Vermutungen anstellen.

Was ich mir anstelle einiger wagen Detailinformationen, die kaum Erklärungsgehalt besitzen, wünschen würde, wäre eine kurze Beschreibung der Situation und des groben Handlungsablaufs mit einigen weiterführenden Erläuterungen:
Wie ging es dem Hund kurz vor dem Vorfall, war er bereits gestresst, als die Halter mit ihm den Spielplatz betreten haben (woran erkennt man überhaupt, ob sich ein Hund wohlfühlt oder nicht?)
Was haben die Halter gemacht?
Hat der Hund gedroht? (Wie reagiert man als Halter auf seinen drohenden Hund?)
Was hat das kleine Mädchen gemacht? Waren seine Eltern in der Nähe?
Wie verhält man sich in Gegenwart eines Hundes? Wodurch kann sich ein Hund bedroht fühlen? Wenn mein Kind sich einem fremden Hund nähern oder ihn streicheln  möchte, was sollte hierbei beachtet werden?

Ein Artikel, der zumindest versucht auf solche Fragen Antworten zu geben, würde den Lesern echten Nutzen stiften. Nicht nur erzeugt er nicht den Eindruck, Hunde würden aus heiterem Himmel angreifen, noch würde er sinnlosen und sogar gefährlichen Diskussionen Auftrieb geben.

Sinnlos, weil nicht zielführend und gefährlich, weil z.B. die Diskussion über Listenhunde und deren Gefährlichkeit in der breiten Bevölkerung dazu geführt haben, dass Hunde eines bestimmten Typs als gefährlich wahrgenommen werden, während andere, wie zum Beispiel der Golden Retriever als bedenkenloser Familienhund gelten.

Den Nutzen einer anderen Berichterstattung sehe ich vornehmlich darin, dass vielleicht nicht nur bei den Hundehaltern ein anderes Gefahrenbewußtsein entsteht, sondern auch bei den Eltern. Mir geht es hier keineswegs um eine Schuldzuweisung in die eine oder andere Richtung. Im Gegenteil. Als Mutter von drei Jungs, die nur wenig älter sind, empfinde ich aufrichtiges Mitleid mit dem kleinen Mädchen und dessen Eltern.

Aber was sich leider auch oft beobachten lässt, ist ein gewisse Sorglosigkeit im Umgang von kleinen Kindern und Hunden, sowohl bei den Hundehaltern als auch bei den Eltern.  Beide sind in der Verantwortung, genau zu beobachten und gegebenenfalls einzugreifen, und zwar bereits dann, wenn einer von beiden sich nicht mehr wohlfühlt. Das berühmte „das muss der abkönnen“ ist grob fahrlässig.

Eltern investieren viel Zeit und Mühe, ihren Kindern ein richtiges Verhalten im Strassenverkehr beizubringen. Kleine Kinder werden an die Hand genommen, wenn sie eine Strasse überqueren möchten, d.h. die Mutter befindet sich in unmittelbarer Nähe. Bei größeren ist die Mutter immer noch mit voller Aufmerksamkeit dabei und sogar mit Schulkindern wird ein Schulweg eingeübt, weil selbst mit 6 Jahren sie noch nicht alle Gefahren vorausschauend vermeiden können. Einen ählichen Umgang mit Hunden zu erreichen, würde weit mehr zur Sicherheit beitragen, als alle Verordnungen zusammen.

 

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Halloween- Tipps zum Gruselfest

An Halloween muss sich gegruselt werden – und zwar fürchterlich! Für viele Kinder ist es ein Riesenspaß, sich zu verkleiden und als Gespenst, Hexe oder Monster von Tür zu Tür zu ziehen, um Süßigkeiten abzustauben….

Für so manche Vierbeiner ist es weniger spaßig, wenn bizarr aussehende Kinder sie quitschend und schreiend in die Flucht treiben. Denn sie haben in diesen Momenten wirklich Angst.

Deshalb bitte: Erklären Sie ihren Kindern, dass bei Tieren der Halloween Spaß aufhört, dass es für Tiere kein Spiel ist, wenn sich die Katze in den hintersten Winkel unter dem Bett verkriecht oder der Hund mit eingeklemmter Rute davonrennt. Was es bedeutet, Angst zu empfinden und dass dies kein angenehmes Gefühl ist, können schon sehr kleine Kinder  verstehen – nur erklären muss es ihnen jemand.

Unser Freigängerkater bekommt an diesem Tag immer Hausarrest. Ich fühle mich da einfach sicherer, bevor wir eine wirkliche Gruselgeschichte zu beklagen haben.

Einer meiner Facebook-Freunde hat mich letztes Jahr auf eine nette Idee gebracht: Selfservice. Sie haben einen Korb mit Süßigkeiten vor die Tür gestellt, zusammen mit einem Zettel, der die Kids darüber informiert hat, dass hier ruhebedürftige Tiere zu Hause sind, und sie doch bitte einfach ohne Klingeln etwas Süßes nehmen möchten. Für Hunde, die jedes Mal in Rage geraten, wenn es klingelt oder Katzen, die bei Besuchern Panik haben, finde ich das eine sehr geschickte Lösung.

 

 

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Neuer Artikel für Hounds&People

Nach meinem Kommentar zu dem Beißvorfall in München ist mein Thema dieses Mal: „Mein Hund und Kinder“. Viele Kinder lieben Hunde, sie möchten sie streicheln, sie füttern, vielleicht sogar mit ihnen spielen. Bei so manchem Hund stößt dies aber nicht wirklich auf Begeisterung… http://www.houndsandpeople.com/de/magazin/wissen/mein-hund-und-kinder/

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Wenn aus Welpen Waren werden…

geht es um ökonomisches Kalkül, aber nicht um Tiere. Bereits die Ankündigung von Zoo Zajac in Duisburg Welpen verkaufen zu wollen, löste Proteste auf breiter Basis aus. Seit dies nun Mitte Januar Realität wurde, reißt die Kritik nicht mehr ab: Tierschutzorganisationen, Hundetrainer und Verhaltensberater, aber auch der VDH melden sich zu Wort. Herr Zajac indess, versteht die ganze Aufregung nicht. „Ich verkaufe Welpen, weil ich es kann“ und „die Kunden danach fragen“ sagte er in einem Interview.

Ja, und damit hat er leider recht. Solange er die Vorgaben des Tierschutzes einhält, kann er mit Welpen handeln wie mit jeder leblosen Sache auch. Nur sind hochsoziale und fühlende Wesen eben keine Sache und mit ein paar Hygienevorschriften mag zwar die Gefahr mancher Infektionskrankheiten gebannt sein – eine Garantie für körperliche und seelische Gesundheit der Hundebabies sind sie nicht.

Aber ist es nicht genau das, was sich die zukünftigen Hundebesitzer, die bereit sind, viel Geld für einen Welpen auszugeben,  wünschen:  einen gesunden, fröhlichen und unkomplizierten Begleiter im Alltag?

Die Weichen werden schon sehr früh gestellt, dass sich ein Welpe zu einem solchen  souveränen Hund entwickeln kann.

Eigentlich fängt es schon mit gesunden  Elterntieren an. Es ist schließlich kein Geheimnis, dass bestimmte Krankheiten in manchen Rassen gehäuft vorkommen.  Aber auch das Wesen der Mutter und der Verlauf der Trächtigkeit spielen eine wichtige Rolle: Stress in dieser Zeit hat einen unmittelbaren Einfluß darauf, wie stressanfällig die Hunde im späteren Leben sind. In den ersten Lebenswochen machen die Welpen nicht nur motorisch eine enorme Entwicklung durch, auch für die Entwicklung ihres Gehirns ist es wichtig, ihrem individuellen Entwicklungsstand entsprechend neuen Reizen ausgesetzt zu werden. Dies sollten unterschiedliche  Menschen, Tiere, Geräusche,  etc. sein. Alles, womit der Welpe positive Erfahrungen sammeln darf, wird er später auch als positiv wahrnehmen.  Andere Reize wird er als gefahrlos kennenlernen, sich an sie gewöhnen und später nicht ängstlich reagieren.  Darüberhinaus lernen Welpen im sozialen Kontext durch den Umgang mit ihrer Mutter und dem Spiel mit den Wurfgeschwistern sozusagen das kleine 1×1 des Hundeverhaltens.

Eine Trennung von Mutterhündin und Geschwistern sollte auch deshalb  keinesfalls vor der achten Woche erfolgen.  Sowohl eine sanfte Eingewöhnungsphase im neuen Zuhause als auch der richtige Umgang in den ersten Wochen sind von entscheidender Bedeutung.

Aber was, wenn in dieser so wichtigen Zeit nicht alles optimal verläuft? Wenn die Welpen in einer reizarmen Umgebung aufwachsen, negative Erfahrungen machen, oder viel  zu früh von der Mutter und Geschwistern getrennt werden? Tja, dann wird es schwierig – für den Hund und die neuen Besitzer.

Diesen Hunden fehlt etwas Elementares: ihnen war es nicht möglich, eine Art Grundvertrauen in diese Welt zu entwickeln, sie haben nicht gelernt, dass Menschen nett sind und sie nichts zu befürchten haben. Für diese Hunde können ganz alltägliche Dinge der blanke Horror sein. Sie können bei Kleinigkeiten in Panik verfallen und beruhigen sich danach nur schwer wieder.  In Stresssituationen können sie aggressiv reagieren. Manche blenden aber auch ihre Umwelt komplett aus und sind dann nicht mehr ansprechbar. Sie lernen langsamer,  sind schneller überfordert und leiden überdurchschnittlich oft an Dauerstress und den damit verbundenen gesundheitlichen Beschwerden wie z.B.  Magen-Darm-Problemen oder  häufigen Infekten.

Es leiden aber nicht nur die Hunde. Auch für die Besitzer ist dies eine große emotionale und letztendlich auch finanzielle Belastung. Mit acht Wochen sind die Welpen zwar noch sehr jung, möglicherweise haben sie aber schon ein schweres Bündel zu tragen.

 

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Auf eigenen Pfoten die Welt entdecken

Ein Blatt, das raschelnd im Wind tanzt, Enten im See, ein Fahrradfahrer, der sich schnell nähert oder Kinder, die lachend über eine Wiese toben… für einen Welpen, der gerade die ersten Spaziergänge mit seinen neuen Menschen unternimmt, ist alles spannend.

Mit großen Augen und aufgeregtem Geschnüffel wird die bunte Welt erkundet. Da wird beobachtet, zurückhaltend gewartet oder neugierig daraufzugetapst. Es ist nicht nur wunderschön und eine Freude, seinem Hundekind bei seinen ersten Erkundungstouren zuzusehen, sondern es gibt eine ganze Reihe von Gründen, warum Sie diese erste Zeit ganz bewußt nutzen sollten.

Schritt für Schritt, Entdeckung für Entdeckung erweitert Ihre kleine Fellnase  seinen Erfahrungsschatz und damit seine Sicht auf die Welt. Ihr Welpe lernt Sie auch als seinen Partner kennen, der ihm die Sicherheit gibt, zu seinen Erkundungstouren aufzubrechen, und zu dem er, sollte es nötig sein, in Sicherheit zurück flüchten kann.

Nehmen Sie die Impulse, die von Ihrem Hund kommen einfach auf: Was zieht gerade seine Aufmerksam auf sich? Wohin sieht er? Ist er dabei eher ängstlich oder neugierig? Lassen Sie ihm ruhig die Zeit, die Dinge in seinem Tempo zu erforschen. Vielleicht möchte er auf ein ihm unbekanntes Objekt zugehen und zögert noch? Sie können ihn behutsam dazu ermuntern, indem Sie selbst daneben in die Hocke gehen und freundlich mit ihrem Hund sprechen. Vergessen Sie dabei nicht: es ist ein Angebot! Keinesfalls sollten Sie Ihren Hund zu irgendetwas zwingen. Jeder darf sich in seinem eigenen Tempo entwickeln und lernen.

Dies trifft auch auf die Begegnungen mit fremden Hund und Menschen zu. Mal abgesehen davon, dass es bei Tieren ebenso spontane Sympathie und Antipathie zu geben scheint, gibt es große individuelle Unterschiede zwischen den einzelnen Tieren. Manche Tiere sind neuen Kontakten gegenüber sehr aufgeschlossen und suchen diese aktiv, andere warten lieber ersteinmal ab. Gerade für letztere können Sie der Fels in der Brandung sein, wenn Passanten mit einem „oooh wie süüüß!“  auf Ihren kleinen Liebling zustürzen. Ähnlich wie ein kleines Kind sich hinter den Beinen der Mutter versteckt, so können Sie Ihrem Welpen beibringen, sich bei Ihnen Schutz zu suchen.

Mit der Zeit werden Sie ein feines Gespür für die Befindlichkeiten Ihres Hundekindes entwickeln durch aufmerksames Beobachten mit offenem Herzen und wachem Verstand. Sie werden sehen, wenn sich Ihr Hund über etwas freut, wenn er unsicher und ängstlich ist, wenn gewisse Situationen ihn überfordern oder wenn er einfach müde ist, weil es für den Moment genug der Eindrücke ist. Dies gibt Ihnen die Möglichkeit entsprechend zu reagieren: ist er müde, gönnen Sie ihm Ruhe. Ist Ihr Hund überfordert, holen Sie ihn aus der Situation heraus. Ist er ängstlich, helfen Sie ihm, indem Sie ihm z.B. gestatten, die Dinge auf seine Weise zu erkunden.

Für einen zuverlässigen Begleithund im Alltag ist es auch wichtig, in dieser ersten Zeit bei Ihnen die richtigen Erfahrungen zu machen. Zeigen Sie Ihrem Hund möglichst viel und unterschiedliches: nehmen Sie ihn mit in die Innenstadt, ins Einkaufszentrum,in ein Café,  in den Bahnhof, zum Wildtiergehege, in die Nähe von Spielplätzen, auf Hundewiesen…es muss gar keine nachmittagfüllende Beschäftigung sein, integrieren Sie diese kleinen Übungseinheiten einfach in Ihr tägliches Leben.

In dieser ersten Zeit wird der Grundstein für eine von gegenseitigem Vertrauen geprägte Freundschaft gelegt – nutzen Sie sie!

 

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Welttag der Katze

Der 8. August ist der Welttag der Katze. Grund genug, ein paar Worte zu unseren Stubentigern zu verlieren.

Kurt Tucholsky wird folgender Ausspruch zugeschrieben: „Hunde haben Herrchen. Katzen haben Personal“.  Jeder Katzenfreund hat sicherlich bei diesen Worten ein stolzes selbstbewußtes Exemplar vor Augen, das zu nachtschlafender Zeit ins Bett seines Dosenöffners springt, um ihn pfötelnd daran zu erinnern, seiner Pflicht in Form der Bereitstellung von Futter nachzukommen(aber bitte nicht irgendeinem Futter – denn Spitzohren sind ja gemeinhin sehr wählerisch) … oder eine Katze die laut maunzend vor einer geschlossenen Tür steht (die Unverschämtheit schlechthin! denn  geschlossene Türen sind im Weltbild von Katzen so gar nicht vorgesehen) nur um nach zwei Minuten das ganze Spiel wieder von der anderen Seite zu beginnen… oder aber eine Katze, die mit sich und der Welt zufrieden in der Sonne döst und sämtliche Spielaufforderungen ignoriert („siehst du nicht, dass ich beschäftigt bin? „)

Das ist der Stoff, aus dem viele amüsante Anekdoten sind, die sich Katzenliebhaber gerne von ihren Vierbeinern erzählen. Ebenso legendär ist die angebliche Unerziehbarkeit von Katzen. Mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen berichten die Besitzer, im Gegensatz zu Hunden seien  Katzen einfach zu schlau, um sich erziehen zu lassen… nun ja. Und nein. Katzen lernen nicht anders als alle anderen Lebewesen auch. Sie machen das, was in irgendeiner Form für sie lohnend ist. Die Schwierigkeit beim Training mit Katzen liegt darin, etwas zu finden, was die Katze wirklich motiviert.  Immer noch skeptisch? Na, dann gehen Sie doch mal in die Küche und klappern mit der Futterdose… steht Ihre Katze sofort neben Ihnen?

Katzen sind faszinierende Geschöpfe, die eine tiefe Bindung zu ihren Menschen, aber auch zu bestimmten Partnerkatzen eingehen können.  Sie sind also durchaus keine Einzelgänger, obgleich ihnen das öfters nachgesagt wird.  In einer ansprechenden Umgebung, mit Liebe,  Geduld und Verständnis für die arteigenen Bedürfnisse, kann sich die vielseitige Persönlichkeit der Katze entfalten. Lassen Sie sich von Ihrer Katze verzaubern!

Noch kurz zum Schluß: hat Ihre Katze Sie heute schon angelächelt? Lächeln ist eine freundliche Geste, sie hilft Konflikte zu vermeiden und Wohlwollen auszudrücken. Natürlich zieht eine Katze hierzu nicht die Mundwinkel auseinander, so wie wir Menschen es tun. Die Katze unterbricht einen aufmerksamen direkten Blickkontakt zu Ihnen, indem sie langsam blinzelt. Achten Sie doch einmal darauf und lächeln Sie zurück…

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Sommerhitze

Nachdem der Sommer nun doch endlich beschlossen hat, sich mit hohen Temperaturen, blauem Himmel und viel Sonnenschein zu zeigen, habe ich meinen Sommerhitze-Beitrag nochmals hervorgekramt und überarbeitet.  Ich hoffe, Sie finden darin einige Anregungen, wie Sie Ihrem Hund etwas Erleichterung verschaffen können,  denn nicht nur wir Menschen leiden unter der Hitze.

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Tödliche Hundebisse – Forderung nach Konsequenzen

Wenn Hunde zubeißen, ist es immer ein Drama. Insbesondere wenn kleine Kinder betroffen sind, ist das Leid unermesslich – für das Opfer, die Eltern, aber auch für den Hund, der meistens nicht mehr in der Familie bleiben soll.

Cottbus, Oldisleben – die Orte stehen für zwei Tragödien, die sich innerhalb nur weniger Wochen ereigneten. Im einen Fall tötete ein Husky-Schäferhund Mischling ein Neugeborenes, im anderen Fall ein Staffordshire Bullterrier ein Kleinkind.

Sobald sich der erste Schock angesichts dieser Vorfälle gelegt hat, werden Forderungen nach Konsequenzen laut. Unsere Kinder haben ein Recht auf Schutz, darin sind sich alle einig. Strittig ist nur der Weg, wie dies zu gewährleisten ist.

Ein blinder Aktionismus in Form einer Neugestaltung der Hundeverordnungen ist nicht zielführend, sondern reine Augenwischerei.

Die Fokussierung der Diskussion auf die potentielle erhöhte Gefährlichkeit bestimmter Rassen ist nicht nur fachlich fragwürdig, sondern sie birgt die weitaus größere Gefahr, dass am eigentlich Problem vorbei argumentiert wird, nämlich dass jeder Hund unter bestimmten Umständen zubeißen kann. Und genau hier müßte aber die Veränderung im Bewußtsein der Öffentlichkeit stattfinden, um Kinder sicher zu schützen.

Kinder unter sechs Jahren werden am häufigsten im häuslichen Umfeld von ihnen bekannten Hunden gebissen. Es sind also die eigenen Familienhunde oder die Hunde von Verwandten und Freunden. Dies kann der als kinderfreundlich geltende Golden Retriever ebenso sein wie ein Dalmatiner oder ein „Kampfhund“. Die Rassezugehörigkeit eines Hundes hat unstrittig einen Einfluß auf sein Verhalten, ist aber hier nicht maßgeblich. Faktoren wie die Sozialisation des Tieres, spezifische Erfahrungen mit ähnlichen Situationen, die Haltung im weiteren Sinne, die Erziehung und Merkmale der konkreten Situation spielen bei der Erklärung des Verhaltens eine weitaus größere Rolle.

Kleine Kinder sind aus mehreren Gründen überdurchschnittlich gefährdet, Opfer von schweren Hundebissen zu werden: ihre geringe körperliche Größe,  ihr Bewegungsdrang, ihr Forschergeist und nicht zuletzt die Unfähigkeit, hundliches Ausdrucksverhalten richtig zu interpretieren.

Wie sollte nun erfolgreiche Prävention aussehen?

1. Schulung der Hundehalter

Die Halter müssen in der Lage sein, kritische Situationen zu erkennen und richtig zu reagieren.  Dazu gehört elementar Kenntnisse des Hundeverhaltens, insbesondere das Erkennen von Angst, Stress und Meideverhalten. Deutlichere Signale wie Knurren und Schnappen werden zwar nicht mehr so leicht übersehen, allerdings taucht hier dann die nächste Schwierigkeit auf: nämlich wie sollte man richtig auf hundliches Drohverhalten reagieren. Die meisten Menschen würden intuitiv dazu tendieren, den Hund zu bestrafen. Mit diesem Vorgehen läuft man Gefahr, dem Hund einfach nur das Drohen abzugewöhnen, ohne jedoch an den eigentlichen Ursachen zu arbeiten. Genau dort muss aber zwingend angesetzt werden.

Ein Beispiel: Im Biergarten liegt ein Hund neben seinen Besitzern. Ein Kleinkind springt auf den Hund zu. Der Hund versucht soweit auszuweichen, wie seine Leine es ihm ermöglicht. Die ganze Körpersprache zeigt deutlich Angst an. Das Kleinkind nähert sich weiter, woraufhin der Hund zu knurren beginnt.  Wird er nun dafür geschimpft, ändert das an seiner Angst in dieser und auch in späteren vergleichbaren Situationen gar nichts.Vielmehr kann es passieren, dass er das nächste Mal das Drohen aus Angst vor Sanktionen ganz unterlässt und zur nächsten Aggressionsstufe übergeht und zubeißt.

Wie kann man denn nun besser reagieren: entweder seinem Hund ermöglichen, weiter auf Distanz zu gehen oder das Kind bitten, an dem Hund ruhig vorbei zu gehen. Vielleicht kann man sich auch zu dem Kind auf den Boden setzen und versuchen, dem Hund ein Leckerli anzubieten. Anbieten heißt nicht, den Hund am Halsband zu sich heranziehen, sondern ihm das Leckerli zu zeigen. Kommt er freiwillig, hat man gewonnen. So wird aus einem ursprünglich negativen Erlebnis für den Hund vielleicht sogar noch ein positives.

2. Sicherheitstraining für Kinder und Eltern

Ähnlich wie kleine Kinder lernen müssen, wie sie sicher von einer Straßenseite auf die andere kommen, gibt es für den Umgang mit Hunden  einige Verhaltensregeln, die helfen,  bestimmte kritische Situationen schon im Vorfeld gar nicht erst entstehen zu lassen.

Wichtig hierbei ist mir, dass dieses Sicherheitstraining möglichst viele Kinder und deren Eltern erreicht. Denn selbst wenn die Familie selbst keinen Hund hält, kann jedes Kind im Alltag einem Hund begegnen, sei es im Park, bei Großeltern, Freunden oder im Einkaufscenter.

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Vier Pfoten am Himmel

Trauerarbeit ist auch Arbeit, so sagt man. Jeder Mensch trauert anders, aber jeder muss seinen Weg finden, mit dem Schmerz, der Leere und den Ängsten, die aus dem Verlust resultieren, umzugehen. Dies gilt insbesondere für (kleine) Kinder, die hierbei besonders die Unterstützung von uns Eltern brauchen.

„Vier Pfoten am Himmel“ von Annette Langen und Antje Bohnstedt (Herder Verlag 2008) ist ein liebevoll gestaltetes Bilderbuch zum Thema Tod. Erzählt wird von der Freundschaft der kleinen Emma und ihrer Hündin Fee, von ihren Abenteuern und Spielen, einen Sommer lang. Sie sitzen gemeinsam auf der Wiese und schauen in den großen blauen Himmel, an dem die Wolken entlang ziehen. Das beklemmende Gefühl, das den Leser bereits hier beschleicht, steigert sich noch als der Herbst kommt, und Fee zusehends schwächer wird.

Alter, Krankheit und Tod werden in den großen Kreislauf des Lebens eingeordnet, indem Emmas Mutter die Analogie zu den Veränderungen der Blumen in den Jahreszeiten heranzieht, was auch schon von kleineren Kindern verstanden wird. Mir persönlich hat dieser Vergleich sehr gut gefallen, da man frei von religösen Vorstellungen den Tod als etwas Natürliches begreifen kann.

Eines Nachts stirbt Fee schließlich. Die Fragen, die Emma angesichts des leblosen Körpers stellt, sind nur einige, die Kinder beschäftigen.
Neben den unmittelbaren Fragen nach Hunger, Schmerzen, Kälte oder nach der Endgültigkeit des Todes, wird Ihr Kind sicherlich noch viele Fragen haben. Hören Sie gut zu, nehmen Sie die Sorgen und Ängste ernst und versuchen Sie, die Fragen so ehrlich und gewissenhaft zu beantworten, wie Sie es können. Auch die Frage nach der eigenen Trauer.

Um die Erinnerung an Fee wachzuhalten legt Emma Fotos, Fees Halsband und Lieblingsspielzeug in eine Box, die sie mit vier Wattestückchen schmückt.
Gerade Kinder, die mit verschiedenen Individuen einer Art aufwachsen, haben sehr individuelle Beziehungen zu den einzelnen Tieren – sie betrauern somit nicht den Verlust eines Tieres, sondern dieses ganz bestimmten Tieres.

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Umzug mit Katzen

Nicht nur für uns Menschen ist ein Umzug eine mitunter nervenaufreibende Angelegenheit. Auch für unsere Stubentiger ist der Stress enorm. Was man tun kann, um die Belastung für seine Katzen so gering wie möglich zu halten,  ist einiges.

Bereits bevor das erste Räumen und Packen beginnt, empfiehlt sich der Einsatz von Feliway (Eingetragener Markenname). Dabei handelt es sich um ein synthetisch hergestelltes Analogon zu bestimmten Gesichtspheromonen der Katze, die eingesetzt werden, um Angst und Stress zu reduzieren.  Das Spray kann sowohl im alten Zuhause, im Transportkorb (nicht sofort nach dem Anwenden die Katze einsetzen!)  und dann auch während der Eingewöhnungsphase im neuen Zuhause angewandt werden. Wichtig: bitte nicht direkt auf die Katzen sprühen!

Für den eigentlichen Umzug sollten die Katzen sowohl im alten wie auch im neuen Zuhause einen Raum haben, in dem sie sich fernab des Trubels ungestört bewegen können.
In dieser Ruhezone muss für die Katzen alles zur Verfügung stehen, was sie den Tag über brauchen: Wasser, eventuell Futter, Katzentoilette, vielleicht ihr Lieblingsspielzeug und -ganz wichtig – vertraute Gegenstände, also z.B. die Sofadecke, auf der Ihre Katze ihr Mittagsschläfchen hält, der Stuhl, auf dem sie gerne ruht, und ähnliches.

Einfacher ist es, wenn Sie die Möglichkeit haben, die Katzen für den Umzugstag z.B. bei Freunden unterzubringen. Dort sollten sie auch einen Raum zur Verfügung haben, wo sie den Tag ungestört verbringen können. Denken Sie auch daran, für die Katzen ein Deckchen mitzunehmen, das ihren Geruch trägt. Die Gastgeber brauchen gar nichts weiter zu tun, als die Tür geschlossen zu halten und eventuell zu füttern.

Wenn Sie mehrere Katzen haben, sollte jede in ihrem eigenen Transportkorb reisen dürfen. Die Autofahrt ist schon aufregend genug, die erzwungene Nähe zu einer Partnerkatze schafft nur noch zusätzlichen Stress – auch bei Katzen, die sich sonst sehr gerne mögen.

Die Eingewöhnung im neuen Zuhause  geht von „klein nach groß“.  Sind die Umzugshelfer weg und es kehrt langsam Ruhe ein, können Sie die Tür zum Ruheraum einfach öffnen. Wenn sich die Katzen sicher genug fühlen, werden sie Stück für Stück anfangen ihr neues Revier zu erkunden und sich bei Bedarf, immer wieder zurück in das Ruhezimmer flüchten. Für diese Phase ist es sinnvoll , die Katzentoilette solange im Ruhezimmer zu belassen, bis die anderen Toiletten sicher benutzt werden.

Haben sich die Katzen gut eingelebt, können Freigänger die ersten Ausflüge ins Freie unternehmen. Wann sie dazu bereit sind, ist unterschiedlich und kann von Tagen  bis Wochen reichen.

In der ersten Zeit kann es auch zwischen Katzen, die sich ansonsten gut verstehen, zu Distanzierungsaggression kommen. Normalerweise bleibt es bei einem kurzen Anfauchen oder einem leichten Schlagabtausch. Ein Eingreifen des Besitzers ist in diesem Fall nicht nötig und sogar kontraproduktiv.

Letztendlich sind es nur wenige, einfache Maßnahmen, aber sie erleichtern ihrem Kätzchen das Einleben im neuen Heim enorm.

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