Ach du dicker Hund!

Was in unserer Wohlstandsgesellschaft schon lange an der Tagesordnung ist, hat unsere Haustiere erreicht: Übergewicht. Dies ist nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern hat auch ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen für z.B. das Herz oder den Bewegungsapparat.

Das Übergewicht ist wie beim Menschen das Ergebnis eines Missverhältnisses  zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch. Natürlich gibt es auch medizinische Gründe für Übergewicht, hierbei steht dann die Behandlung der Grunderkrankung an erster Stelle der Maßnahmen. Kastration gehört übrigens entgegen der weit verbreiteten Meinung nicht zu den Ursachen für Übergewicht.

Aber wie kommt es dann zu dicken Hunden und Katzen?

Tatsache ist, dass Übergewicht bei Tieren ein Phänomen ist, was einem Leben im Hausstand, also in Abhängigkeit des Menschen zuzuschreiben ist.

Der Mensch verwaltet die Ressource Nahrung nicht nur in qualitativer sondern vor allem in quantitativer Hinsicht. Darüber hinaus scheint das Füttern einen selbst belohnenden Effekt für den Menschen zu haben. – „dem Tier etwas Gutes tun“. Dies bedeutet, dass die Versuchung sehr hoch ist, zuviel zu geben. Bestärkt wird der Halter noch durch die tendenziell eher hoch angesetzten Rationsempfehlungen der Futtermittelhersteller und den großen Hundeaugen, die dem Halter unmissverständlich klar zu machen versuchen, dass es sich bei den paar Häppchen, die gerade in den Napf gewandert sind, wohl nur um die Vorspeise handeln könne. Biologisch war es ursprünglich beim Wolf einmal sinnvoll, dass kein natürliches Sättigungsgefühl existiert. Als Beutegreifer auch größerer Tiere, die nur mit erheblichem Aufwand zu töten sind, war es wichtig, auf einmal eine größere Menge verschlingen zu können, um danach einen längeren Zeitraum des Hungerns zu überstehen.

Ein weiterer Faktor ist sicherlich, dass es vielen Hunden an Möglichkeiten mangelt, sich bewegen und austoben zu dürfen. Ob es nun die Leinenpflicht in städtischen Grünanlagen ist, die den Aktionsradius des Hundes  auf eine Größe reduzieren, die jeder Beschreibung spottet, oder ob der Halter seinen Hund nicht seinen Bedürfnissen entsprechend auslastet – wer sich nicht bewegt, verbrennt auch nichts.

Bei Katzen in reiner Wohnungshaltung kommt noch hinzu, dass der Gang zum Futternapf sich zu einer Strategie gegen die Langeweile in der für sie so empfundenen, reizarmen Umgebung ist. Auch kann sich das Futterbetteln ebenso wie das Trinken aus dem Wasserhahn zu einem festen Bestandteil der sozialen Interaktion mit dem Besitzer entwickeln.

Das Element der Trägheit scheint in der Therapie des Übergewichts ganz besonders schwer zu wirken: die eigene Bequemlichkeit aufzugeben, eine konsequente Ernährungsumstellung in Verbindung mit einem gezielten Bewegungsprogramm durchzuführen, erweist sich manchmal als unüberwindbares Hindernis.

Aber wie bringt man denn nun das Fett weg?

         Fettanteil im Futter reduzieren bei selbst zusammengestellten Rationen, oder Futtersorte wechseln

         Futtermenge auf 75% reduzieren

         Bewegung langsam steigern: einen untrainierten Hund wieder langsam an regelmäßige Bewegung gewöhnen. Keine menschliche Couchpotato würde sich ohne Training zum Marathon anmelden… d.h. besser eine halbe Stunde täglich mit dem Hund Fahrrad fahren, als am Wochenende eine Tour von drei Stunden.

         Langsame Gewichtsreduktion: dies ist insbesondere bei Katzen wichtig, da sie aufgrund einer Besonderheit im Stoffwechsel sonst schnell Probleme mit der Leber bekommen können (hepathische Lipidose). Ein Kilo pro Jahr gilt hierbei als Obergrenze.

Grundsätzlich ist eine dauerhafte Umstellung der Lebensgewohnheiten der beste Garant für das Idealgewicht. Dann sind auch wieder „kleinere Sünden“ erlaubt.

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