Vierbeiniger Familienzuwachs – Hund

Die Größe des Hundes spielt mit Ausnahme des Platzbedarfes eine eher untergeordnete Rolle. Selbstverständlich sollte das Auto groß genug sein, dass der Hund sich darin bei Autofahrten bequem hinlegen kann. 

Ansonsten ist die entscheidende Frage die nach dem was allgemein unter Wesen verstanden wird: hier kann man nur jedem raten, sich bei der Auswahl eines Rassehundes umfassend zu informieren. Mögliche Informationsquellen sind Züchter, Rasseverbände, das Internet, aber auch Hundetrainer, Verhaltensberater und Tierärzte. Die letzteren können vor allem Aussagen über Rassedispositionen für Erkrankungen geben. Zwar gibt es mit Erbkrankheiten mehr oder weniger belastete Rassen, dies ist in meinen Augen aber kein Grund, eine bestimmte Rasse allein deswegen zu meiden. Es gibt bei vielen Erkrankungen die Möglichkeit, über verschiedene Maßnahmen und frühzeitige (!) medizinische Behandlung die Lebensqualität über einen langen Zeitraum gut aufrechtzuerhalten.


Hundetrainer und Verhaltensberater können meist über spezifische Wesenzüge Auskunft erteilen und einschätzen, ob diese Rasse für Anfänger geeignet ist oder ob man schon etwas Erfahrung braucht.


Das Verhalten eines Hundes wird nicht nur von seinen Genen gesteuert, obwohl die Gefahrhundeverordnung genau dies zugrunde legt, indem sie den dort gelisteten Hunden allein aufgrund der Rassezugehörigkeit eine erhöhte Gefährlichkeit unterstellt.


In die gleiche Richtung zielt auch die Mär vom „Familienhund“ oder „Kinderhund“. Es mag zwar sein, dass diese so beworbenen Rassen eine erhöhte Reizschwelle haben und seltener als andere Aggressionen gegen Menschen zeigen, ein Freibrief ist es jedoch nicht. Das Zusammenleben von (Klein-)Kindern und Hunden muss gewissen Regeln folgen. Werden diese verletzt, besteht bei allen (!) Rassen die Gefahr, dass es zu ernsthaften Problemen kommt. Denn neben den Genen spielt auch bei gut sozialisierten Hunden das Lernen eine große Rolle. Hat der Hund das Kind erst einmal als Angst einflößend erfahren, wird er über verschiedene Strategien versuchen, weitere unangenehme Erfahrungen zu vermeiden.


Möchte man einen Hund vom Tierschutz übernehmen, ist ein besonderes Augenmerk darauf zu richten, dass man einen Hund „mit Vergangenheit“ bekommt. In den wenigsten Fällen ist wirklich viel über die Geschichte des Tieres oder den Grund seiner Abgabe zu erfahren. Tierschützer, die ihre Aufgabe ernst nehmen, informieren Interessenten über Verhaltensweisen, die zu Problemen führen können (hierzu zählen Angst- und Aggressionsprobleme). Inwieweit die Probleme dann tatsächlich entstehen oder inwieweit sie therapierbar sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab, die realistischer Weise vom Tierheim selbst nicht völlig eingeschätzt werden können. In diesem Zusammenhang kann man nur raten, sich mit der Auswahl eines Tieres viel Zeit zu lassen, das Tier  – so gut es geht – kennen zu lernen, die Spaziergänge dazu zu nutzen,  die Sozialisation auf Artgenossen und die Umweltstabilität einzuschätzen, und wenn das Tierheim es zulässt, den Hund auch einmal übers das Wochenende mit nach Hause zu nehmen. Die so gesammelten Informationen erlauben einen ersten Eindruck – nicht mehr und nicht weniger. Vorherrschende Grundtendenzen im Verhalten können so erkannt werden, wobei allerdings einige Abschläge in der Bewertungssicherheit in Kauf zu nehmen sind, da nachfolgende Faktoren das Bild etwas verfälschen können. Ein Tierheimaufenthalt stellt für einen Hund eine außerordentliche Belastungssituation dar, was bei dem Einen zu Überreaktionen, bei einem Anderen dazu führt, aus Unsicherheit lieber erst einmal gar nichts mehr zu tun. Des Weiteren verhalten sich manche Tiere bei Fremden im Allgemeinen zunächst zurückhaltend. Auch das Verhalten gegenüber Artgenossen ist nur eingeschränkt zu beurteilen, da Hundekontakte an der Leine durch die Einschränkung der Bewegungsfreiheit des Hundes einerseits (er kann die Distanz zum anderen Hund nicht selbst bestimmen) und den unmittelbaren Einfluss des Menschen (eventuelle Unsicherheiten übertragen sich auf den Hund) anderseits, mitunter anders ablaufen als bei einer Hundebegegnung bei der beide Hunde frei laufen und agieren können.

Abschließend möchte ich nochmals dafür plädieren, sich genügend Zeit zu nehmen und sich auch nicht unter Zeitdruck setzen zu lassen. Mit einer übereilten Entscheidung ist niemandem geholfen – weder Mensch noch Hund. Lieber bleibt der Hund ein paar Tage länger im Tierheim als in der falschen Familie zu sein und dann doch wieder zurückgebracht zu werden.


Eine weitere Frage ist eng mit der Frage des „Woher“ verbunden: die Frage des Alters. Egal ob ein Welpe vom Züchter oder ein Tierheimhund: am Anfang ist erst einmal Beziehungsarbeit zu leisten. Wie bei einer „Menschenfreundschaft“ auch, entsteht eine gute Beziehung nicht über Nacht. Man muss sich kennen und einschätzen lernen, Vertrauen aufbauen und von Seiten des Menschen müssen die Regeln des sozialen Miteinander aufgestellt und vom Hund müssen diese gelernt werden. Ein Welpe hat hierbei den Vorteil, dass man noch den größtmöglichen Einfluss auf seine Entwicklung nehmen kann, bei einem Tierheimhund sind unter Umständen schon gewisse Verhaltensweisen „eingebürgert“, dafür ist hier schon in manchen Fällen eine gute Grunderziehung vorhanden.

Ist der Hund schon älter, sollte in jedem Fall bedacht werden, dass man den Kindern möglicherweise ziemlich schnell den schmerzhaften Abschied zumutet.


Was oft fälschlicherweise mit der Größe in Verbindung gebracht wird, ist die körperliche Auslastung. Es gilt nicht, je größer der Hund ist, desto mehr Auslauf braucht der Hund. Weder für einen kleinen Jack Russel noch für einen Golden Retriever ist es auch nur annähernd ausreichend, dreimal am Tag für eine Viertelstunde um die Häuser zu gehen.

Zwischen zwei und drei Stunden sollte man schon einplanen, die der Hund sich möglichst zu festen Zeiten draußen bewegen darf. Auch ältere Hunde lieben das Spazierengehen, sie möchten in der Regel etwas langsamer und nicht mehr so weit gehen, aber nicht unbedingt kürzer.


Beim Zeitbedarf fällt noch ein weiterer Punkt ins Gewicht: die Fellpflege. Je länger das Fell ist, desto mehr Pflege benötigt es. Es muss Zeit zum Bürsten, Baden und eventuell zum Scheren eingeplant werden.

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