Vierbeiniger Familienzuwachs: Katze

Wenn das neue Familienmitglied ein kleines Kätzchen oder eine bereits erwachsene Katze aus dem Tierheim sein soll, sieht man sich vor der glücklichen Situation, eine Katze auswählen zu können, welche die besten Voraussetzungen dafür mitbringt, im turbulenten Familienalltag ein zufriedenes Katzenleben führen zu können.

Im Gegensatz dazu ist es manchmal für Mensch und Tier eine große Herausforderung, wenn im vorher recht beschaulichen Alltag eines Päarchens mit einer womöglich noch schlecht sozialisierten Katze ein Baby plötzlich das Sagen – besser Schreien hat…

Die erste Frage, die man sich als zukünftige „Katzenfamilie“ stellen muss, ist die nach dem Freigang. Hat die Katze die Möglichkeit, nach Lust und Laune nach draußen zu gehen und sich so bei Bedarf eine Auszeit zu nehmen, sind die Ansprüche an die Haltung wesentlich geringer als bei einer reinen Wohnungshaltung. Allerdings spielt bei einem Freigänger aufgrund der vielfältigen Ansteckungsmöglichkeiten die Parasitenvorsorge und gegebenenfalls die Parasitenbehandlung eine größere Rolle. Dazu aber an anderer Stelle mehr.

Zwei Besonderheiten der Katze sollte man sich stets ins Bewusstsein rufen: zum Einen sind Katzen sehr anpassungsfähig, was auf den ersten Blick gerne mit pflegeleicht und anspruchslos verwechselt wird. Zum Anderen gibt es Katzen, die sich bei unzureichenden Haltungsbedingungen und Stress zurückziehen und passiv werden. Obgleich es sich hierbei um eine behandlungsbedürftige Verhaltensstörung handelt, stört dieses Verhalten die Besitzer oftmals wenig. Vielmehr wird es als katzentypisch angesehen. Greift die Katze zu drastischeren Maßnahmen wie Harnmarkieren, ist die Einsicht in die Notwendigkeit zu handeln, beim Besitzer wesentlich größer.

Im Folgenden möchte ich mein Hauptaugenmerk auf die Auswahl einer Katze für die reine Wohnungshaltung legen, da bei dieser Haltungsform vielen Problemen schon durch die Auswahl eines geeigneten Tieres vorgebeugt werden kann.

Auch wenn das Erscheinungsbild von Katzen im Vergleich zu Hunden eher einheitlich ist, gilt ebenfalls: äußerliche Vorlieben sind kein Entscheidungskriterium!

Wie sich eine Katze gegenüber Menschen im Allgemeinen verhält, ist von ihren Genen und ihrer Sozialisierung abhängig. Für den Kleinkinderhaushalt kommen ausschließlich menschenfreundliche Katzen in Frage.

Grundsätzlich bringt der Nachwuchs menschenfreundlicher Eltern die besten Voraussetzungen mit, selbst menschenfreundlich zu werden. Für diese Entwicklung notwendig ist aber darüber hinaus auch, dass das junge Kätzchen ausreichend positive Erfahrungen mit Menschen während der ersten sieben Wochen seines Lebens sammeln durfte.

In der Literatur werden zwischen ängstlich-scheuen und menschenfreundlichen Katzen unterschieden. Bei den menschenfreundlichen Katzen wird nochmals in zurückhaltend-freundliche und initiativ-freundliche unterschieden. Eigentlich sind nur die letzteren für den Kleinkinderhaushalt zu empfehlen. Die zurückhaltend-freundlichen warten geduldig darauf, dass ihnen Aufmerksamkeit zuteil wird und werden deshalb mit ihren Bedürfnissen leicht übersehen oder es werden ihnen soziale Bedürfnisse schlicht abgesprochen. Bei diesen besteht eine nicht zu unterschätzende Wahrscheinlichkeit, irgendwann mit Unsauberkeit zu reagieren, wenn ihre Anpassungsfähigkeit erschöpft ist. Die freundlich-initiativen Katzen gibt es die ausgesprochenen Schmusekatzen, die sich gerne stundenlang kraulen und auch herumtragen lassen und die schier unermüdlichen Spielkatzen, die wenn unterbeschäftigt, sich allerhand einfallen lassen und zu nächtlicher Aktivität neigen.

Zur Frage des Geschlechts neige ich eher dazu, einen Kater für einen Kinderhaushalt zu empfehlen. Weibliche Tiere sind oftmals schüchterner und sensibler, während die Kater im Allgemeinen mehr Selbstbewusstsein haben, untereinenander oftmals einen etwas raueren Umgangston pflegen und auch die „Grobheiten“ eines Kleinkindes besser verkraften oder entsprechend parieren. Weibchen neigen in ähnlich Situationen eher zu vorwegnehmendem Meideverhalten. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel: so gibt es selbstverständlich „draufgängerische“ Weibchen und „sensible“ Katerchen…

Ist es abzusehen oder vielleicht schon Realität, dass die Kleinkinder ganztätig außer Haus betreut werden und beide Elternteile voll berufstätig sind, ist zu überlegen, ob nicht nur eine Einzelkatze sondern gleich zwei Katzen in die Familie aufgenommen werden sollten, um es einer Einzelkatze nicht zuzumuten, den ganzen Tag in reizarmer Umgebung verbringen zu müssen. Welche Anforderungen im Einzelnen an die Zweitkatze zu stellen sind, würde hier den Rahmen sprengen.

Ob es ein junges Kätzchen oder schon ein älteres Tier sein soll, ist in Bezug auf die Eignung für einen Kinderhaushalt nachrangig.

Welche Besonderheiten in der Gestaltung des Lebensraumes der Katze und im Zusammenleben mit Kindern bedacht werden müssen, bleibt einem anderen Artikel vorbehalten.

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