„Alarm im Napf“

So umschreibt der Spiegel in seiner Ausgabe Nr. 36 /01.09.2008 seinen Artikel über den „Glaubenskrieg um Rohkostdiät für Hunde“.

Wie wir alle wissen, wissen Spiegel Leser ja mehr. Und dass da auch keine Missverständnisse aufkommen, nimmt der Spiegel dann seinen Lesern auch gleich noch das Denken und die Möglichkeit zur selbstständigen Meinungsbildung ab.

Auf sprachlich hohem Niveau, mit intelligentem Witz, hin und wieder in Zynismus abgleitend, mit im Allgemeinen gut recherchierten Artikeln, ist der Spiegel noch immer ein nicht wegzudenkender Bestandteil in unserer Medienlandschaft.

Umso mehr verwundert es, Beiträge wie diesen über Hundeernährung zu lesen. Dass eine sachliche Darstellung hin und wieder zugunsten eines unterhaltsamen Schreibstils in den Hintergrund treten muss, ist eine Sache. Eine andere Sache ist es aber, wenn die dargebotenen Informationen eine Breite und Tiefe nicht überschreiten, die sich Lieschen Müller innerhalb von fünf Minuten Internetrecherche aneignen kann.

Neu und aufregend sind die Argumente wahrlich nicht. Auf der Seite der B.A.R.F. Befürworter wird mit Rohfütterung „mehr Vorteile oder zumindest weniger Nachteile“ verbunden. Nicht umsonst haben viele Hundehalter die Ernährung ihrer Vierbeiner umgestellt, als eine ernsthafte Erkrankung diagnostiziert wurde und sie sich erstmals mit Ernährung näher beschäftigten. Desweiteren steht der Wunsch nach einer möglichst artgerechten, d.h. der natürlichen Ernährung des Wolfes nachempfundenen Futterzusammenstellung im Vordergrund.

Stellvertretend für die B.A.R.F. Kritiker wird Josef Kamphues von der Tiho ins Feld geführt, es sei ihm keine Studie bekannt, welche die positiven Effekte des Barfens belegen würde. Hm, mag ja sein. Allerdings wollen auch Studien bezahlt werden… und nicht nur die Kunst geht bekanntlich nach dem Brote…

Ein Detail lässt an dem Artikel dann doch aufmerken. Normalerweise wird bei einem B.A.R.F. kritischen Beitrag stets betont, dass es für einen „normalen“ Tierhalter kaum möglich sei, eine ausgewogene Ernährung seines Tieres zu gewährleisten. Hier werden allerdings die besonderen Gefahren für die noch im Haushalt lebenden Personen hervorgehoben, die durch den Umgang und den Verzehr von rohem Fleisch für die Gesundheit immungeschwächter Menschen, Kleinkinder und älterer Personen drohen.

Nicht nur durch diese Tatsache, sondern auch durch so manche Formulierung im Text,  liegt der Verdacht nahe, dass da jemand über Hunde schreibt, der letztendlich keinen Zugang zu diesen Tieren hat. Auch ohne Rohfütterung von Tieren, ist bei vielen Menschen ein nicht zu überwindender Ekel vorhanden. Tiere werden als unsauber und potentielle Krankheitsüberträger angesehen.

Kamphues glaubt, bei den Anhängern der natürlichen Ernährung eine gewisse Art von religösem Wahn zu sehen. Letztendlich sei es eine Glaubensfrage.

Eine Glaubensfrage ist jedoch vieles. Fragt man drei Mediziner nach ihrer Meinung zu einem bestimmten Thema, dann erhält man mit Sicherheit keine zwei gleichlautenden. Was richtig und was falsch ist, lässt sich auf diese Weise nicht beantworten. Vielleicht ist es ja ganz einfach so, dass es gar nicht die beste Lösung gibt, sondern nur eine akzeptable für einen bestimmten Hund bei einem bestimmten Halter. Aber solche Gedanken lassen sich natürlich nicht so plakativ formulieren…

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