Hurra! Wir kriegen ein Baby – wie bereiten wir unseren Hund darauf vor?

Wenn sich ein Baby ankündigt, ist die Freude riesig. Alles fokussiert sich auf das werdende Leben. Wie gründlich so ein neuer Erdenbürger das bisherige Leben auf den Kopf stellen kann, lässt sich im Vorfeld nur erahnen. Viele werdende Eltern fragen sich dann, wie sie auch ihren Hund auf die neue Familiensituation vorbereiten können. Insbesondere, wenn der Hund von Grund auf schon etwas schwierig ist, oder vielleicht sogar in Bezug auf Kinder nicht wie gewünscht reagiert.

Hier einige Tipps:

Jetzt ist die Zeit am günstigsten, neue Regeln einzuführen, da man sich relativ gut noch auf das Training konzentrieren kann und ohne zeitlichen Druck arbeitet.
Man sollte sich möglichst vor der Geburt im Klaren sein, was der Hund nach Ankunft des Babys nicht oder nicht mehr darf. Also soll es neue Tabuzonen geben, darf der Hund nicht ins Kinderzimmer, ist es nicht erwünscht, dass der Hund auch mit auf der Babydecke am Boden liegt, etc.
Eine generelle Empfehlung, ob Tabuzonen nötig sind, lässt sich nicht geben. Es ist einfach eine „Geschmacksfrage“, ob man den Hund im Kinderzimmer haben möchte, genauso wie es eine ist, ob der Hund auf das Sofa darf oder nicht. Desweiteren kommt es auf die individuelle Situation an, inwieweit die Aufsicht zu gewährleisten ist, vielleicht möchte man einen jungen Hund, der noch alles als Spielaufforderung sieht oder sich jedes mehr oder weniger geeignete Teil als Kauspielzeug schnappt, nicht so gerne mitnehmen… diese Frage muss jeder für sich und seine Familie selbst beantworten.

Die Ruheplätze des Hundes sollten dahingehend überprüft werden, ob sie ihren Namen auch verdienen. Dies gilt natürlich in besonderem Maße im Hinblick darauf, dass aus den kleinen Babies sehr schnell sehr muntere und bewgungsfreudige Kleinkinder werden, die auch die gelassensten Tiere (unsere eigene Art miteingeschlossen) vor eine harte Geduldsprobe stellen.

Bei sehr personengebundenen Hunden ist schon während der Schwangerschaft sinnvoll, den Hund daran zu gewöhnen, dass hin und wieder auch jemand anderes Gassi geht, die Pflege oder das Füttern übernimmt. Während der letzten Schwangerschaftszeit, aber spätestens im Wochenbett braucht die Mutter hierbei sowieso Unterstützung, deshalb ist es sinnvoll, wenn es dem Hund nicht gänzlich unbekannt ist, von einer dritten Person versorgt zu werden. Außerdem gibt es -denke ich – wenig Schwangere, die sich nicht über ein bißchen Entlastung freuen würden.

Ich bin ein großer Freund von geregelten Tagesabläufen. Zeitliche Fixpunkte und Routinen strukturieren den Tag und geben Sicherheit. Dies istnicht nur bei unsicheren Hundepersönlichkeiten wichtig, sondern macht auch für kleine Kinder den Tag überschaubar, weil sie ungefähr wissen, was als nächstes passiert.

Spielzeug ist ein wichtiges Thema. Für manche Hunde sogar bitterernst. Aber nicht nur bei diesen Kandidaten, die zu einer aggressiven Verteidigung dieser Ressource neigen, ist es sinnvoll, sich schon vor der Ankunft des Kindes anzugewöhnen, das Hundespielzeug wegzuräumen und nur für die Spielzeit herauszuholen. Wenn die Spielzeit ein fester Bestandteil des Tages wird, mit einem vom Menschen festgelegten Beginn und Ritual, dann ist es auch leichter dem Hund in einem nächsten Schritt beizubringen, dass durchaus einmal ein Plüschtier oder ein Ball auf dem Fußboden liegen kann, und der Mensch es nicht so gerne sieht, wenn der Hund damit spielt. Zum Thema Spielzeug aber an anderer Stelle noch mehr…

Beim Umgang mit Tieren und Babies oder Kleinkindern gilt: weder übertriebene Gedankenlosigkeit nach dem Motto „es wird schon nichts passieren“,  noch krampfhafte Vorsicht sind angezeigt, sondern ein Vorgehen mit gesundem Menschenverstand. Dass Kind und Hund nicht unbeaufsichtigt gelassen werden sollen, da man mögliche Gefahren sonst nicht erkennen und eingreifen kann, leuchtet unmittelbar ein und ist der Standardratschlag bei dieser Thematik.
Zur Bissprävention wird es noch einen anderen Beitrag geben.

Mit der Geburt, aber wahrscheinlich schon mit den Veränderungen der Schwangerschaft, tritt der Hund in eine Art Konkurrenzsituation zum Kind: um Zeit, um Aufmerksamkeit, Streicheleinheiten,… Man kann diese empfundene Konkurrenz möglichst klein halten, indem man dafür Sorge trägt, dass zwar die zur Verfügung stehende Zeit mit dem Hund weniger, dafür aber qualitativ hochwertiger wird. Auch hierzu soll es noch einen Beitrag geben. Ein Hinweis dennoch kurz an dieser Stelle: bitte nicht versuchen, die Zeit zu nutzen, in der das Baby tagsüber gerade mal eingeschlafen ist, um dann abrupt die Spielzeit mit dem Hund zu beenden, weil das Baby doch wieder aufgewacht ist. Geschieht dies öfter, lernt der Hund das Baby als Signal für die Beendigung seiner Spielzeit zu betrachten, was zukünftig dann mit Sicherheit keine Freude auslösen wird, wenn das Baby auf der Bildfläche erscheint. Dies wird von den Haltern dann häufig als „Eifersucht“ bezeichnet.

Werdende Eltern mit „Problemhunden“ sind oft sehr verunsichert. Hier kann es durchaus sinnvoll sein, seine Bedenken mit einem Verhaltenstherapeuten durchzusprechen. Ein Rückschluss von dem Verhalten des Hundes fremden Kindern gegenüber und dem Kind der Familie sind nur mit einigen Abschlägen zulässig. Ich durfte selbst miterleben, wie aus einem schlecht sozialisierten, wenig umweltstabilen älteren Hund ein Hund wurde, der die meisten Kinder toleriert und sogar mag.

Der Grundgehorsam ist ein leidiges Thema. Verbinden doch noch zuviele Menschen damit Unterordnungsübungen in der Manier eines Abrichteplatzes. Dabei geht es doch vielmehr darum, den Hund in bestimmten Situationen zuverlässig kontrollieren zu können. Mit einem „Klären der Rangordnung“ hat dies ebenfalls nichts zu tun.
Welche Signale sollte der Hund also kennen?

  • „Ab Deckchen“: was auch immer, der Hund sollte es aushalten können, sich für eine begrenzte Zeit mal nicht frei bewegen zu dürfen und auf einem zugewiesenen Platz zu warten.
  • „Aus“: Gegenstände auf Signal wieder herausgeben.
  • „Schluss“: Egal, was der Hund gerade tut, damit soll er aufhören.
  • Die Tabuzone zu respektieren. Hunde lernen sehr leicht ortsbezogen, soll die Babydecke, die ja normalerweise nicht immer am gleichen Fleck in der Wohnung liegt ein Tabu werden, sollte man beim Training darauf achten, die Babydecke wirklich an verschiedenen Stellen zu platzieren.
  • Rückruf
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