Hurra! Wir kriegen ein Baby – wie bereiten wir unsere Katze darauf vor?

In dem ganzen Trubel, den die Vorfreude auf ein Baby verursacht, geht es leicht unter, dass diese Vergrößerung der Familie auch die Welt des Stubentigers ganz schön auf den Kopf stellen kann. Um die Katze so schonend wie möglich auf die Veränderung vorzubereiten und gleichzeitig eine Umgebung zu schaffen, die ihr den Alltag erleichtert, dazu möchte ich hier einige Anregungen geben.

Wie die Katze reagiert, hängt stark von der Persönlichkeit der Katze, also ihrem Charakter aber auch von ihrer Sozialisation ab. Je selbstbewußter die Katze und je größer ihr Drang ist , Neues zu erkunden, desto weniger Probleme sind zu erwarten. Bei allen nachfolgenden Vorschlägen habe ich allerdings eine scheue, sensible und vielleicht nicht gut sozialisierte Katze vor Augen. Jedem Katzenbesitzer ist es selbst überlassen, die für seine Katze sinnvollen Ratschläge umzusetzen oder gegebenenfalls einen Verhaltensberater hinzu zu ziehen, der vor Ort unterstützend mit eingreifen kann.

Um besser zu verstehen, wie tiefgreifend sich die Veränderungen für eine Wohnungskatze darstellen, kommt man nicht umhin, sich mit dem ökoethologischen System unserer Hauskatze zu beschäftigen. Das ökoethologische System besteht aus folgenden Dimensionen: dem Raum (wobei hier die dritte Dimension eine besondere Rolle spielt), der Zeit und den Sozialpartnern (hierunter wären Menschen und andere Tiere zu fassen, mit denen die Katze soziale Beziehungen pflegt).

Die Veränderungen im Raum

Katzen kennen jeden kleinsten Winkel ihrer Wohnung. Alles ist ihnen vertraut, und das gibt Sicherheit. Sie haben ihre festen Schlaf- und Ruheplätze, ihre Futterstelle, Wasserstellen, ihre Rückzugs- und Fluchtplätze und ihre Aussichts- und Spielplätze.

In regelmäßigen Abständen markieren Katzen wichtige Orte, indem sie ihre Gesicht daran reiben. Dadurch umgeben sie sich mit „ihrem“ Geruch, was Angst und Stress reduzieren kann.

Bereits ein Großputz, bei dem mehr als 30% der Markierungen entfernt werden, kann für eine unsichere Katze eine Deritualisierung bedeuten, die dann zu einer Angststörung führt.

Ähnliches kann auch durch ein Umstellen der Möbel oder durch neue Möbel verursacht werden.

Wer also ein Kinderzimmer einrichten möchte, tut gut daran, laaaangsam vorzugehen. Nicht in einer „Hau-Ruck-Aktion“ innerhalb eines Wochenendes Zimmer ausräumen, neu streichen und die Kindermöbel aufstellen. Sondern alles in möglichst viele kleine Schritte aufteilen und vielleicht zuerst nur renovieren, dann nach und nach die alten Möbel verstellen oder entsorgen und dann Stück für Stück die neuen Möbel reinstellen. Man lebt dann zwar gewissermaßen eine zeitlang auf einer Baustelle. Die Katze aber wird es danken. Und die „Tragzeit“ beim Menschen ist ja lang genug…

Sind für die Katze wichtige Plätze betroffen, ist natürlich für entsprechenden Ersatz zu sorgen.

Wie in jeder Situation, in der eine außergewöhnliche Belastung für die Katze erwartet wird, sollte über einen Einsatz von Feliway nachgedacht werden. Zur Pheromontherapie aber an anderer Stelle mehr.

Die Veränderungen in der Zeit

Der Tag einer Katze ist durch die Fütterungszeiten, Spielzeiten und die Zeiten der Anwesenheit der Besitzer strukturiert. Diese Strukturen geben Sicherheit. In den letzten Wochen der Schwangerschaft wird die werdende Mutter öfter und länger zu Hause sein, was aber normalerweise seltener ein Problem darstellt.

Schwerwiegender kann für sehr personenfixierte Katzen ein längerer Klinikaufenthalt werden.

Nach der Geburt des Kindes werden sich so manche Rituale nicht mehr in der bisherigen Form und Zeit erhalten lassen. Soweit möglich, ist es gut, den bisherigen Tagesablauf dahingehend zu prüfen, welche Rituale besser an eine andere Stelle des Tages verschoben werden. Beispielsweise möchte man die morgendliche Spielrunde auf die späteren Abendstunden, in denen das Kind mit einiger Sicherheit schon im Bett ist, verlegen, ist es sinnvoll, zunächst abends eine zusätzliche Spieleinheit zu initiieren und dann die morgendliche Spielzeit auszuschleichen, indem sie jeden Tag um eine gewisse für die Katze tolerierbare Zeitspanne verkürzt wird. Auch hier gilt wieder: je behutsamer dabei vorgegangen wird, desto weniger Stress wird für die Katze erzeugt.

Gleiches gilt auch für die Schmusezeit.

Ein weiterer Aspekt sind die Gewohnheiten in der Reviernutzung: Mehrere Katzen können sich ein Revier teilen, ohne sich darin zu begegnen, da bestimmte Wege oder Plätze immer zu festen Zeiten aufgesucht werden. Hat man nun eine Katze, die ängstlich das Baby meidet, kann sie zu allem anderen auch noch Stress haben, weil ihre morgendliche Aussichtsrunde aus dem Küchenfenster nicht mehr möglich ist, weil zu dieser Zeit nun das Baby in der Küche gefüttert wird.

Veränderungen in den sozialen Beziehungen

Die Trennung oder der Verlust eines menschlichen oder tierischen Sozialpartners oder aber ein neuer Sozialpartner verändert das Leben einer Katze nachhaltig und kann insbesondere bei unsicheren Katzen enormen Stress auslösen.

Babies und kleine Kinder stellen für Katzen eine wirkliche Herausforderung dar. Sie sind laut, später bewegen sie sich unkontrolliert, selbst kleinste Hände können sich schon grob ins Fell krallen und ständig fliegt irgendetwas krachend zu Boden.

Manche Katzen ertragen erstaunlich viel, und harren selbst mitten im größten Trubel aus, weil sie mittags immer auf diesem Stuhl im Wohnzimmer liegen und es „gar nicht einsehen zu weichen“, aber mögen tun sie es nicht. Das lässt sich deutlich an dem „leicht genervten“ Gesichtausdruck, den seitlich gestellten Ohren und dem zuckenden Schwanz ablesen.

Andere Katzen verziehen sich grundsätzlich in einen anderen Raum. Für diese Katzen ist es wichtig, in diesem Raum alles vorzufinden, was sie brauchen: Ruhe- und Schlafplatz (dies sind in der Regel zwei verschiedene Plätze), Wasser, gegebenfalls auch Futter (denn wer frisst schon gerne, wenn man ständig Angst haben muss, eine Rassel auf den Kopf geworfen zu bekommen), eine Kratzmöglichkeit, ein Fenster zum Hinaussehen, Spielzeug und natürlich ein Katzenklo. Ein ängstliche Katze, die sich erst an lärmenden Kindern vorbeizwängen muss, wenn sie zur Toilette möchte, kann sich früher oder später entscheiden, dann doch lieber ein weiches, saugfähiges Kissen zur Elimination zu benutzen…

Dieser „Katzenruheraum“ sollte möglichst schon vor der Geburt geplant und eingeführt werden.

Die Verantwortung für ein Kind, die neue Situation mit allen Anforderung und der zehrende Schlafmangel stellen auch für die Mutter eine körperliche und seelische Belastung dar. Manche Katzen reagieren auf Stimmungsschwankungen oder eine gereizte Grundstimmung sehr sensibel und zeigen deutlich weniger Initiative zu Kuschel- oder Spieleinheiten als früher. Hier kann wie oben beschrieben, ein feste Zeit helfen, oder wer das nicht möchte, kann versuchen, eben in einer „ruhigen Minute“ die Katze zum Spielen zu animieren.

Fazit

Das Zusammenleben mit einem Baby und Kleinkind ist immer eine große Herausforderung für eine Katze. Dass diese Herausforderung bewältigbar wird, dafür kann man eine Menge tun. Welche Maßnahmen in welcher Form in einer konkreten Situation sinnvoll sind, muss stets eine Einzelfallentscheidung sein, die von einer Vielzahl von Faktoren abhängt, in besonderem Maße natürlich von der Persönlichkeit der Katze.

Dieser Beitrag wurde unter Hund, Katze und Kinder, Verhalten Katzen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.