Kant – oder was Oma schon wusste

Nicht nur einmal hat mein Prof Kant bemüht, wenn es darum ging, uns die Grundzüge des deutschen Verfassungsrechts nahe zu bringen. Denn eigentlich könnte man sich sämtliche Gesetze als ordnende Instanz unserer Gesellschaft schenken, würde sich jeder an Kants kategorischen Imperativ halten: Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.

Meine Oma hätte es vermutlich nicht weniger treffend so formuliert: was du nicht willst was man dir tut, das füg auch keinem andern zu.

Aber was hat das jetzt alles in einem Blog über Hundeverhalten zu suchen? Ganz einfach. Theoretisch mag Kants Forderung ja breite Zustimmung erfahren, praktisch ist aber der Opportunismus nicht in den Griff zu bekommen. Und so ist es nur zu verständlich, wenn der Ruf nach neuen Gesetzen oder der strikteren Umsetzung bestehender Gesetze immer lauter wird und die allgemeine Hundefeindlichkeit zunimmt.

Weil es Hundehalter gibt, die schicht zu bequem sind, die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner von öffentlichen Gehwegen zu entsorgen, die ihre Hunde frei laufen lassen, obwohl sie nicht zu kontrollieren sind, die ihre Hunde streunen lassen, die ihre Hunde bellend auf Passanten zustürzen lassen, usw. Diese Liste liese sich noch beliebig erweitern.

Egal, ob es nun Bequemlichkeit, Verantwortungslosigkeit oder schlicht fehlendes Wissen ist, das manche Hundehalter hier zeigen. Das Bild von Hunden und Hundehaltern in der Öffentlichkeit leidet.

Das Wendelsteiner Marktgemeindeblatt (http://www.meier-magazin.de/news///magazin,all.html) hatte gleich zwei Kurzbeiträge in der aktuellen Ausgabe, einen mit der Bitte doch den Hundekot aufzusammeln und im anderen wurde dazu aufgerufen, die Hunde an die Leine zu nehmen, mit der Begründung, dass in der Kleingartensiedlung ein Hund einen Hasenkäfig aufgebrochen habe, und den Hasen getötet habe.

Und hier sehe ich nun wirklich rot: das Problem war nicht ein freilaufender Hund, sondern ein streunender Hund, denn der Besitzer wird wohl kaum in Sichtweite gewesen sein, und seinem Hund bei dem Treiben zugesehen haben. Aber schon wird eine generelle Leinenpflicht gefordert.

Warum kommt niemand auf die Idee zu fordern, dass diejenigen, die Hunde halten, diese auch kontrollieren können? Wenn bei einem Hund der Rückruf nicht zuverlässig funktioniert, wenn der Hund in wilder Panik eine vierspurige Straße als kleinere Gefahr beim Anblick eines Heißluftballons einstuft, oder der Hund dazu neigt, auf andere Hunde oder Passanten bellend zuzulaufen (von Bissern sei hier noch gar nicht mal die Rede), dann ist die Leine ein unabdingbares Mittel, Kontrolle auszuüben, wenn ein Training nicht gewünscht oder aus bestimmten Gründen möglich ist.

Aber wegen einiger weniger alle Hunden zu einem Leben an kurzer Leine zu verdammen, halte ich für nicht verhältnismäßig.

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