Feline psychogene Alopezie

Die psychogene Alopezie zählt zu den selbstinduzierten Alopezien. Früher wurde der Nachweis der Selbstinduktion durch die mehrtägige Verordnung eines Halskragens erbracht, wuchsen die Haare nach, schloss man daraus, dass die Katze den Haarverlust durch Belecken, Benagen oder Ausreißen der Haare selbst herbeiführte. Heute wird von Experten ein sogenanntes Trichogramm empfohlen, bei dem unter dem Mikroskop Haarspitzen der betroffenen Hautgebiete untersucht werden, wobei nach Stefanie Peters aufgespaltene, traumatisierte Haarspitzen dafür sprechen, dass der Haarverlust auf Belecken zurückzuführen ist.

Oftmals wird eine psychogene Alopezie bei einer Katze vermutet, wenn sie charakteristische kahle Stellen im Fell aufweist, insbesondere wenn es sich um sensible und ängstliche Tiere handelt und es eine vermeintliche Ursache gibt. Die Ursachen können in allen Dimensionen des ökoethologischen Systems liegen. Beispielhaft seien hier nur die wichtigsten angeführt: Umzug, stark veränderter Tagesrhythmus (neue Arbeitszeiten des Besitzers) , Verlust einer Partnerkatze, Änderungen in der Familiensituation (Auszug eines Partners, Einzug eines neuen Partners, Geburt eines Babies). Auch wenn diese Veränderungen in engem zeitlichen Kontext zum Beginn der Alopezie stehen, darf man nicht vergessen, dass es sich um ein zufälliges Aufeinandertreffen unabhängiger Ereignisse handeln kann, oder dass der durch die Deritualisierung bedingte Stress nur begünstigend auf eine andere, der Alopezie zugrunde liegende Krankheit wirkt.

Letztendlich ist die Diagnose der psychogenen Alopezie aber eine Ausschlussdiagnose. Wenn man sich die möglichen organischen Differentialdiagnosen ansieht, gewinnt man leicht den Eindruck, nach einer Stecknadel im Heuhaufen zu suchen.
Für den Patientenbesitzer bedeutet dies, viel Zeit, Geduld und Geld zu investieren. Dieser Aufwand besitzt aber seine Berechtigung, denn wird die Ursache gefunden, kann eine darauf abzielende Therapie durchgeführt werden, auch wenn sie in manchen Fällen nur symptomatischer Natur sein mag.

Desweiteren weist Schroll daraufhin, dass die psychoneuroendokrinologischen Verbindungen zwischen Gehirn, Emotionen und Haut sehr zahlreich seien und eine scharfe Trennung zwischen den einzelnen Systemen daher nicht möglich sei.

Dieser Beitrag wurde unter Verhalten Katzen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.