Silvesterangst: Last Minute

Eine systematische  Therapie der Silvesterangst  sollte man sinnvollerweise dann beginnen, wenn eigentlich noch niemand über Silvester nachdenkt…da aber diesbezüglich für dieses Jahr der Zug abgefahren ist, bleibt die Frage, was man denn noch tun kann, um zumindest die Symptome abzumildern.

Wohnung

In der Wohnung sollte es möglichst ruhig zugehen. Die Jalousien herunterlassen und eine leise Geräuschkulisse, z.B. ruhige Musik im Hintergrund, helfen schon einmal, viel vom dem Getöse draußen zu lassen.
Katzen, die sich gerne verstecken möchten, sollten in ihrem Versteck bleiben dürfen.

Medikamente

Beruhigungsmittel haben vor allem für einen eine beruhigende Wirkung: nämlich für den Besitzer. Äußerlich wirken die Tiere ruhig und entspannt. In Wirklichkeit durchleben sie ihre Angst bis zu einem gewissen Grad, sind aber der Möglichkeit beraubt, sich aktiv damit auseinanderzusetzen.
Auch sollten niemals Medikamente aus der eigenen Hausapotheke zum Einsatz kommen.Wer nicht auf eine medikamentöse Ruhigstellung verzichten möchte, sollte sein Tier beim Tierarzt vorstellen, der die Medikamente nur nach einer allgemeinen Untersuchung abgibt. Bei falscher Anwendung droht im Extremfall Lebensgefahr.

Pflanzliche Präparate sind in der Regel mit weniger Nebenwirkungen behaftet, haben aber eine nicht ganz so „beeindruckende“ Wirkung, dafür sind sie tatsächlich in der Lage, die Angst zu reduzieren und die Tiere ein wenig gelassener zu machen. Der Nachteil: sie müssen meist über mehrere Wochen eingenommen werden, bis sich die Wirkung zeigt. Allerdings darf man in einer Ausnahmesituation wie Silvester hier keine Wunder erwarten. Die Wirkung wird sich eher bei generell ängstlichen Tieren im Alltag zeigen, wenn ein anderer angstauslösender Reiz in geringerer Intensität auftritt.

Faktor Mensch

Wie immer bei einer Angstproblematik hat der Mensch einen entscheidenden Einfluss auf die Angst seines Tieres – in die eine oder die andere Richtung.

Lange Zeit lautete die Standardempfehlung, die Angstreaktionen des Tieres zu ignorieren, um sie nicht zu verstärken.

Unumstritten ist, dass sich die Stimmungslage von Mensch und Tier wechselseitig beeinflussen können. Ist der Halter nervös und angespannt, überträgt sich dies auch auf das Tier. Gut gemeinte Beruhigungsversuche wie zureden oder streicheln kann dann in der Tat einen genau gegenteiligen Effekt haben. Hunde können den Stress des Menschen riechen, außerdem verändert sich unter Anspannung die Stimmfarbe und Stimmlage, meist wird sehr viel höher und schneller gesprochen, die Atmung verändert sich und der ganze Körper ist angespannt. Dies alles nimmt der Hund wahr. Die Botschaft die ihm der Mensch so „zwischen den Zeilen“ sendet ist: du hast recht – hier gibt es etwas bedrohliches.

Andererseits ist der Mensch selbst ruhig, spricht sehr laaaangsam und monoton, bewegt sich ruhig und ist in der Lage, die Signale seines Tieres richtig zu deuten, kann er sehr wohl beruhigend auf seinen Vierbeiner einwirken ohne die Angst zu verstärken.

Die Deutung der Signale ist einer der zentralsten Aspekte. Es gibt Tiere, die engen Körperkontakt suchen und sich durch ruhiges, gleichmäßiges Streicheln (oder wer`s kann TTouches) beruhigen, andere möchten nur die Nähe zum vertrauten Menschen haben, aber nicht unbedingt angefasst werden. Zwischen beiden Fällen unterscheiden zu können, ist der Knackpunkt. Manche Tiere flüchten in höhlenartige Verstecke: diese sind unbedingt zu respektieren!

Aufenthalt im Freien

Schon in den Tagen vor Silvester, wenn die ersten Kracher zu hören sind, ist es sicherer, Freigänger Katzen im Haus zu behalten und Hunde nur noch an der Leine auszuführen. Ein Tier, das in Panik kopflos nur in die dem Böller entgegengesetzte Richtung rennt, gefährdet in erster Linie sich selbst, aber auch andere.

Für den Silvesterabend lohnt es sich, wer die Möglichkeit hat, mit seinem Hund aus der Stadt raus zu fahren. Aber auch hier die Leine bitte nicht vergessen. Auch in den entlegensten Winkeln ist hin und wieder ein Böller zu hören.

Sonstiges

Essen / Kauen beruhigt: Kauspielzeug anbieten, das lange beschäftigt.

Ablenkung durch leichte Denkaufgaben oder Spiele: wichtig ist, dass die Aufmerksamkeit von den Geschehnissen draußen abgelenkt wird. Dies gelingt aber nur, wenn die gestellten Aufgaben den richtigen Schwierigkeitsgrad haben. Bedenken Sie: in Angstsituationen funktioniert unser Gehirn anders als normal, deshalb lieber tendentiell zu leicht einsteigen.

T-Shirt: Hunde mit Phobien oder Angststörungen haben oft eine veränderte Körperwahrnehmung. Ihnen kann es helfen durch ein enganliegendes T-Shirt ihre Körpergrenzen besser wahrzunehmen, was angstreduzierend wirken kann.

Katzen: wie immer in außergewöhnlichen Belastungssituationen ist der unterstützende Einsatz von Feliway sinnvoll. Die Pheromone wirken stressreduzierend.

…ich wünsche allen Lesern ein glückliches und gesundes neues Jahr!

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