Trennungsangst beim Hund

Leidet ein Hund unter Trennungsangst, ist dies für das Tier und seine Familie eine große Belastung. Manche Tiere können nicht einmal für fünf Minuten alleine gelassen werden, ohne in Panik zu verfallen. Was dies für die Organisation des Alltags bedeutet, kann man sich unschwer vorstellen.

Als hochgradig soziales Tier, das zum Menschen eine mindestens ebenso enge Bindung wie zu Artgenossen aufbauen kann, ist es für einen Hund zunächst eine völlig normale Reaktion auf das Alleingelassenwerden mit Trennungsstress zu reagieren. Dass die Isolation eine vorübergehende ist und Herrchen zurückkommt, muss das Tier erst lernen.

Symptome

Die Bandbreite der Symptome reicht von stundenlangen Lautäußerungen (Bellen, Winseln, Heulen) zur Kontaktaufnahme, über Harn- und Kotabsatz im Haus, bis hin zu zerkauten oder gefressenen Gegenständen, zerstörten Möbeln und Schäden an der Wohnung selbst, typischerweise in der Nähe von Türen oder Fenstern.

In manchen Fällen soll es auch zu Aggressionen gegen den Besitzer kommen, wenn der Hund versucht, sein Herrchen daran zu hindern, das Haus zu verlassen.

Typischerweise setzt der Stress beim Hund nicht erst ein, wenn der Besitzer das Haus bereits verlassen hat, sondern schon bei den ersten Anzeichen, die das baldige Weggehen zuverlässig ankündigen. Normalerweise sind dies Aktivitäten wie Jacke und Schuhe anziehen, Tasche packen, Schlüssel nehmen, etc.

Andere Ursachen

Nicht jeder Hund der in Abwesenheit seines Menschen in die Wohnung pinkelt oder etwas kaputt macht, leidet unter Trennungsangst. Andere Ursachen können beispielsweise eine mangelnde Erziehung zur Stubenreinheit, bei der Zerstörung von Gegenständen Langeweile oder bei andauerndem Bellen aufmerksamkeitsforderndes Verhalten sein.

Je mehr der oben genannten Symptome aber gleichzeitig auf Ihren Hund zutreffen, desto wahrscheinlicher ist es, dass es sich um Trennungsangst handelt.

Prognose

Die Prognose bei Trennungsproblemen ist schwierig zu stellen. Zum einen hängt sie natürlich immer davon ab, wie schwerwiegend das Problem bereits ist und wie lange es schon besteht. Zum anderen ist es auch eine Frage, wie konsequent ein Training unter Umständen auch bis zu einem halben Jahr durchgehalten werden kann, denn eine schnelle Lösung gibt es hier nicht.

Therapie

Die Methode der Wahl ist bei der Behandlung der Trennungsangst die systematische Desensibilisierung. Hierbei wird der Hund in so kleinen Schritten an das Alleinsein gewöhnt, dass keine Stressreaktion des Hundes mehr erfolgt. In schweren Fällen kann dies damit beginnen, dass der Besitzer den Raum verlassen kann, ohne dass der Hund in Panik verfällt und ihm an den Fersen klebt.
In winzig kleinen Schritten werden nun die Anforderungen an den Hund erst dann gesteigert, wenn er eine Aufgabe gut bewältigt hat.
Wo man mit dem Training beginnt und welche Schritte man wann wählt, muss stets im Einzelfall entschieden werden. Lieber zu lange auf einem Trainingsniveau verharren, als den Hund zu überfordern.

Während der Therapie sollte der Hund außerhalb der Trainingszeiten nicht alleine sein. Diese Prämisse ist vielleicht die größte Herausforderung bei einer Therapie, die sich über Monate hinziehen kann. Sollte es in Ausnahmefällen einmal unumgänglich sein, den Hund alleine zu lassen, bietet sich die Einführung eines Signales an, die dem Hund ankündigt, dass dies nun keine Trainingssituation ist.

Neben dem eigentlichen Training gibt es noch weitere Maßnahmen, die zum Erfolg beitragen können.
Der Unterschied zwischen An-und Abwesenheit sollte möglichst gering sein. Also kein hektisches Hin und Herlaufen bevor man das Haus verlässt, nicht noch einmal schnell ein Runde mit dem Hund spielen, weil er ja gleich niemanden mehr hat, etc. Ebenso beim Nachhausekommen bitte keine großes Begrüßungsritual bei dem der Hund noch so richtig hochgepusht wird, sondern lieber nur kurz den Hund begrüßen und sich dann mit einer Tasse Tee aufs Sofa setzen.

Feste Strukturen geben Sicherheit: ein Hund der weiß, zu welchen Zeiten er Gassigehen darf, sein Futter bekommt, mit ihm gespielt wird, wann mit ihm geschmust wird, der kann sich auch einfach mal entspannt irgendwo ablegen und schlafen. Er verbleibt nicht den ganzen Tag in einer ständigen Erwartungshaltung nach dem Motto: „was passiert als nächstes?“
Unabdingbar hierfür sind aber auch Liege- und Ruheplätze, an denen sich der Hund wohlfühlt.

Literatur

O`Heare, James: Trennungsangst bei Hund – ein Arbeitsbuch, Animal Learn Verlag, Bernau 2004;

Wergowski, Christiane: Alleine bleiben – Die Hundeschule, Müller Rüschlikon Verlag, Stuttgart 2008;

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