Therapiekäfig bei Trennungsangst

Eigentlich wäre dieses Thema in einem Satz abzuhaken: Vom Einsatz eines Therapiekäfigs ist abzuraten.

Aber schauen wir uns zunächst einmal die Standardempfehlung an: Gewöhnen Sie den Hund an die Box, indem Sie ihm sein Deckchen hineinlegen, ihn nur noch in der Box füttern, usw. Dann schließen Sie zuerst für kurze Zeit die Tür und steigern Sie die Dauer dann langsam. Verhält sich der Hund in der Box ruhig, können Sie die Tür wieder öffnen, bellt der Hund hingegen, kratzt an der Gittertür o.ä. dürfen Sie ihn nicht falsch bestätigen, indem Sie seinen Forderungen nachgeben und ihn wieder herauslassen. Wenn sich ihr Hund ruhig verhält, können Sie damit beginnen, den Raum zu verlassen. Auch hier gilt wieder: die ersten Male sofort wieder zurückkommen und dann die Zeit der Abwesenheit langsam steigern, bis sie schließlich die Wohnung für eine längere Zeit verlassen können.

Ein Hund, der kein Problem mit der räumlichen Enge einer Box hat, wird auch relativ leicht daran zu gewöhnen sein, in die  Box hineinzugehen und sich darin für eine begrenzte Zeit aufzuhalten. Wenn die Vorarbeit sauber war, wird er auch das Schließen der Tür gut tolerieren.

Der erste Kritikpunkt besteht allerdings schon darin, dass es Hunde gibt, die nur schwer dazu zu überreden sind, überhaupt eine Box zu betreten und die panisch werden, wenn hinter ihnen eine Tür geschlossen wird. Lässt man die Tür nun solange zu, bis sich der Hund beruhigt haben, spricht man in der Lerntheorie von der Methode des Flooding. Dabei wird ein Hund quasi mit dem angstauslösenden Reiz „überschwemmt“ und soll dabei lernen, dass die Angst unbegründet ist. Das Tier darf dabei erst wieder aus der Situation befreit werden, wenn es sich sichtbar entspannt. Die Gefahr bei dieser Methode ist, dass die Tür zu früh geöffnet wird, bevor sich das Tier wirklich entspannt hat, vielleicht weil es der Besitzer nicht mehr mitansehen kann oder weil sich das Tier aufgrund körperlicher Erschöpfung ruhig verhält. Dann passiert das, was man eigentlich vermeiden möchte, nämlich dass das Tier weiter sensibilisiert wird, also z.B. nicht mehr nur vor dem Schließen der Tür Angst hat, sondern nun bereits nicht mal mehr in die Nähe der Box gehen möchte oder seine Angst weiter auf alle engen Räume generalisiert und auch einen Fahrstuhl nicht mehr betreten möchte.

Nehmen wir nun an, wir haben einen Hund, der während der Anwesenheit des Besitzers ohne Probleme für einige Zeit in die Box gesperrt werden kann. Nun soll ja laut obiger Empfehlung der Besitzer kurz den Raum verlassen.
Um zu verstehen, worin nun das Problem liegt, müssen wir noch einmal die Theorie bemühen: bei einer Desensibilisierung soll der angstauslösende Reiz zunächst so abschwächt präsentiert werden, dass keine Angstreaktion erfolgt. Diese Vermeidung einer Angstreaktion ist auch bei der weiteren Steigerung der Reizintensität unbedingt zu beachten.

Denkbar sind hier wieder zwei Fälle: der Hund toleriert das Verlassen des Raumes noch ohne Angst zu zeigen oder der Hund zeigt bereits hier erste Stressanzeichen.

Im ersten Fall wird die Desensibilierung offensichtlich richtig durchgeführt, d.h. eigentlich spielt es keine Rolle, ob der Hund nun auf seinem Deckchen oder in  einer Box ruht.

Im zweiten Fall hingegen, besteht die Gefahr, dass die ersten Stresssymptome übersehen werden und nicht adäquat darauf reagiert werden kann. Damit ist die gesamte Therapie gefährdet und der Hund wird darüber hinaus die Box negativ verknüpfen mit den oben beschriebenen Folgen.

FAZIT

Die Methode der Wahl bei Trennungsangst ist die Desensibilisierung. Der Einsatz einer Box beschleunigt den Lernvorgang nicht, im Gegenteil, die Nachteile, die mit der Anwendung eines Therapiekäfigs verbunden sind, können als so schwerwiegend bezeichnet werden, dass von dem Einsatz dringend abzuraten ist.

Dieser Beitrag wurde unter Verhalten Hunde veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *