Tödliche Hundebisse – Forderung nach Konsequenzen

Wenn Hunde zubeißen, ist es immer ein Drama. Insbesondere wenn kleine Kinder betroffen sind, ist das Leid unermesslich – für das Opfer, die Eltern, aber auch für den Hund, der meistens nicht mehr in der Familie bleiben soll.

Cottbus, Oldisleben – die Orte stehen für zwei Tragödien, die sich innerhalb nur weniger Wochen ereigneten. Im einen Fall tötete ein Husky-Schäferhund Mischling ein Neugeborenes, im anderen Fall ein Staffordshire Bullterrier ein Kleinkind.

Sobald sich der erste Schock angesichts dieser Vorfälle gelegt hat, werden Forderungen nach Konsequenzen laut. Unsere Kinder haben ein Recht auf Schutz, darin sind sich alle einig. Strittig ist nur der Weg, wie dies zu gewährleisten ist.

Ein blinder Aktionismus in Form einer Neugestaltung der Hundeverordnungen ist nicht zielführend, sondern reine Augenwischerei.

Die Fokussierung der Diskussion auf die potentielle erhöhte Gefährlichkeit bestimmter Rassen ist nicht nur fachlich fragwürdig, sondern sie birgt die weitaus größere Gefahr, dass am eigentlich Problem vorbei argumentiert wird, nämlich dass jeder Hund unter bestimmten Umständen zubeißen kann. Und genau hier müßte aber die Veränderung im Bewußtsein der Öffentlichkeit stattfinden, um Kinder sicher zu schützen.

Kinder unter sechs Jahren werden am häufigsten im häuslichen Umfeld von ihnen bekannten Hunden gebissen. Es sind also die eigenen Familienhunde oder die Hunde von Verwandten und Freunden. Dies kann der als kinderfreundlich geltende Golden Retriever ebenso sein wie ein Dalmatiner oder ein „Kampfhund“. Die Rassezugehörigkeit eines Hundes hat unstrittig einen Einfluß auf sein Verhalten, ist aber hier nicht maßgeblich. Faktoren wie die Sozialisation des Tieres, spezifische Erfahrungen mit ähnlichen Situationen, die Haltung im weiteren Sinne, die Erziehung und Merkmale der konkreten Situation spielen bei der Erklärung des Verhaltens eine weitaus größere Rolle.

Kleine Kinder sind aus mehreren Gründen überdurchschnittlich gefährdet, Opfer von schweren Hundebissen zu werden: ihre geringe körperliche Größe,  ihr Bewegungsdrang, ihr Forschergeist und nicht zuletzt die Unfähigkeit, hundliches Ausdrucksverhalten richtig zu interpretieren.

Wie sollte nun erfolgreiche Prävention aussehen?

1. Schulung der Hundehalter

Die Halter müssen in der Lage sein, kritische Situationen zu erkennen und richtig zu reagieren.  Dazu gehört elementar Kenntnisse des Hundeverhaltens, insbesondere das Erkennen von Angst, Stress und Meideverhalten. Deutlichere Signale wie Knurren und Schnappen werden zwar nicht mehr so leicht übersehen, allerdings taucht hier dann die nächste Schwierigkeit auf: nämlich wie sollte man richtig auf hundliches Drohverhalten reagieren. Die meisten Menschen würden intuitiv dazu tendieren, den Hund zu bestrafen. Mit diesem Vorgehen läuft man Gefahr, dem Hund einfach nur das Drohen abzugewöhnen, ohne jedoch an den eigentlichen Ursachen zu arbeiten. Genau dort muss aber zwingend angesetzt werden.

Ein Beispiel: Im Biergarten liegt ein Hund neben seinen Besitzern. Ein Kleinkind springt auf den Hund zu. Der Hund versucht soweit auszuweichen, wie seine Leine es ihm ermöglicht. Die ganze Körpersprache zeigt deutlich Angst an. Das Kleinkind nähert sich weiter, woraufhin der Hund zu knurren beginnt.  Wird er nun dafür geschimpft, ändert das an seiner Angst in dieser und auch in späteren vergleichbaren Situationen gar nichts.Vielmehr kann es passieren, dass er das nächste Mal das Drohen aus Angst vor Sanktionen ganz unterlässt und zur nächsten Aggressionsstufe übergeht und zubeißt.

Wie kann man denn nun besser reagieren: entweder seinem Hund ermöglichen, weiter auf Distanz zu gehen oder das Kind bitten, an dem Hund ruhig vorbei zu gehen. Vielleicht kann man sich auch zu dem Kind auf den Boden setzen und versuchen, dem Hund ein Leckerli anzubieten. Anbieten heißt nicht, den Hund am Halsband zu sich heranziehen, sondern ihm das Leckerli zu zeigen. Kommt er freiwillig, hat man gewonnen. So wird aus einem ursprünglich negativen Erlebnis für den Hund vielleicht sogar noch ein positives.

2. Sicherheitstraining für Kinder und Eltern

Ähnlich wie kleine Kinder lernen müssen, wie sie sicher von einer Straßenseite auf die andere kommen, gibt es für den Umgang mit Hunden  einige Verhaltensregeln, die helfen,  bestimmte kritische Situationen schon im Vorfeld gar nicht erst entstehen zu lassen.

Wichtig hierbei ist mir, dass dieses Sicherheitstraining möglichst viele Kinder und deren Eltern erreicht. Denn selbst wenn die Familie selbst keinen Hund hält, kann jedes Kind im Alltag einem Hund begegnen, sei es im Park, bei Großeltern, Freunden oder im Einkaufscenter.

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2 Kommentare zu Tödliche Hundebisse – Forderung nach Konsequenzen

  1. Aline sagt:

    Ich besitze eine 6 Jahre alte Presa Canario Hündin, die in ihrem Revier sehr selbstbewußt, außerhalb jedoch sehr unsicher ist. Bei ihr ist eher das Gegenteil der Fall: Kleinkinder und kleine Hunde sieht sie nicht als Bedrohung an, aber auf manche Menschen (z.B. Betrunkene ) reagiert sie aggressiv, auch auf ca jede 10. Hündin reagiert sie extrem aggressiv. Ich glaube, daß es wahnsinnig wichtig ist, seinen Hund zu kennen, denn unabhängig von Rasse und Geschlecht: jeder Hund hat seinen eigenen Charakter. Ich besaß bereits mehrere Hunde, u.a. auch ein American Staff, der ein Lamm war!! Auf meine jetzige Hündin achte ich sehr, bringe sie öfters in die Stadt, damit sie ihre Angst ablegt vor Menschenmassen, aber wenn ich sehe, daß der Streß zu viel wird, biege ich in die nächste Seitengasse und lasse sie zur Ruhe kommen. Im Laufe der Jahre hat sie viele „Paranoias“ abgelegt-ich ließ ihr dabei die Zeit, die sie brauchte. Meine Nachbarn reagierten anfangs sehr ablehndend auf uns, besonders die Mütter. Mittlerweile ist mein Hund einer der wenigen, zu dem sich sogar ängstliche Kinder wagen, denn trotz ihrer Größe ist sie zu Kindern besonders gelassen. Werde mag sie die Kinder besonders noch hasst sie sie, sie ist einfach gelassen und läßt alles mit sich tun. Wenn ich merke, daß es ihr zu viel wird, sage ich es den Kindern und die verstehen das sehr gut, sie verhalten sich toll. Man muß Kindern einfach beibringen und zeigen, wie man auf einen Huind zugeht, leider versagen da viele Eltern. Im Laufe der Jahre wird es sogar immer schlimmer, die Hetzkampagnen gegen „Kampfhunde“(allein der Ausdruck ist unwürdig…) hat also Früchte getragen-leider!! Ich werde zunehmends dumm angemacht, die Leute wechseln die Straßenseite, wenn sie mir begegnen, es ist sehr einschneidend. Am Liebsten gehe ich spät abends oder nachts spazieren, damit ich meine Ruhe hab bzw damit mein Hund ungestört laufen kann, es ist wirklich schade, daß hier keine Aufklärung stattfindet. Aber auch viele Hundehalter verhalten sich zunehmends feindselig, viele lassen ihre Hunde nicht mal zu meinem kommen, obwohl mein Hund freundlich gesinnt ist. Oft werde ich gefragt, wie und warum ich mir so eine Bestie zugelegt habe und ich sie lieber einschläfern lassen sollte-und das aus dem Mund von Hundebesitzern!!! Teilweise kann ich es immer noch nicht glauben, wie Menschen(gerade und insbesonders die vermeintlich gebildetetn!!!) so dermaßen niederträchtig sein können…Es ist dringend – es muß endlich mehr Aufklärung bzw. überhaupt Aufklärung stattfinden. Von Listen halte ich GAR NICHTS!!!!! Vielmehr sollten Hundehalter eine Art Prüfung ablegen, denn der Hund ist immer der Leidtragende. Viel zu viele sogenannte Kampfhunde fristen ihr Dasein in Tierheimen, mir kommen da oft die Tränen. Meine Erfahrung mit der Stadt München bzw dem KVR(Kreisverwaltungsreferat) ist sehr schlecht, man wird sofort diskriminiert, es reicht schon aus, wenn der Hund jemanden anbellt und sofort bekommt man eine Strafe , Leinenzwang oder gar Maulkorbpflicht. Es ist eine Schande, was uns Besitzern zugemutet wird, denn ich gehe sehr verantwortungsvoll mit meinem Hund um, daich um seine Beißkraft weiß, aber mitr werden dauernd Steine in den Weg gelegt, kein Vermieter will einen Listenhund im Haus, egal wie ruhig er ist.

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