Wenn aus Welpen Waren werden…

geht es um ökonomisches Kalkül, aber nicht um Tiere. Bereits die Ankündigung von Zoo Zajac in Duisburg Welpen verkaufen zu wollen, löste Proteste auf breiter Basis aus. Seit dies nun Mitte Januar Realität wurde, reißt die Kritik nicht mehr ab: Tierschutzorganisationen, Hundetrainer und Verhaltensberater, aber auch der VDH melden sich zu Wort. Herr Zajac indess, versteht die ganze Aufregung nicht. „Ich verkaufe Welpen, weil ich es kann“ und „die Kunden danach fragen“ sagte er in einem Interview.

Ja, und damit hat er leider recht. Solange er die Vorgaben des Tierschutzes einhält, kann er mit Welpen handeln wie mit jeder leblosen Sache auch. Nur sind hochsoziale und fühlende Wesen eben keine Sache und mit ein paar Hygienevorschriften mag zwar die Gefahr mancher Infektionskrankheiten gebannt sein – eine Garantie für körperliche und seelische Gesundheit der Hundebabies sind sie nicht.

Aber ist es nicht genau das, was sich die zukünftigen Hundebesitzer, die bereit sind, viel Geld für einen Welpen auszugeben,  wünschen:  einen gesunden, fröhlichen und unkomplizierten Begleiter im Alltag?

Die Weichen werden schon sehr früh gestellt, dass sich ein Welpe zu einem solchen  souveränen Hund entwickeln kann.

Eigentlich fängt es schon mit gesunden  Elterntieren an. Es ist schließlich kein Geheimnis, dass bestimmte Krankheiten in manchen Rassen gehäuft vorkommen.  Aber auch das Wesen der Mutter und der Verlauf der Trächtigkeit spielen eine wichtige Rolle: Stress in dieser Zeit hat einen unmittelbaren Einfluß darauf, wie stressanfällig die Hunde im späteren Leben sind. In den ersten Lebenswochen machen die Welpen nicht nur motorisch eine enorme Entwicklung durch, auch für die Entwicklung ihres Gehirns ist es wichtig, ihrem individuellen Entwicklungsstand entsprechend neuen Reizen ausgesetzt zu werden. Dies sollten unterschiedliche  Menschen, Tiere, Geräusche,  etc. sein. Alles, womit der Welpe positive Erfahrungen sammeln darf, wird er später auch als positiv wahrnehmen.  Andere Reize wird er als gefahrlos kennenlernen, sich an sie gewöhnen und später nicht ängstlich reagieren.  Darüberhinaus lernen Welpen im sozialen Kontext durch den Umgang mit ihrer Mutter und dem Spiel mit den Wurfgeschwistern sozusagen das kleine 1×1 des Hundeverhaltens.

Eine Trennung von Mutterhündin und Geschwistern sollte auch deshalb  keinesfalls vor der achten Woche erfolgen.  Sowohl eine sanfte Eingewöhnungsphase im neuen Zuhause als auch der richtige Umgang in den ersten Wochen sind von entscheidender Bedeutung.

Aber was, wenn in dieser so wichtigen Zeit nicht alles optimal verläuft? Wenn die Welpen in einer reizarmen Umgebung aufwachsen, negative Erfahrungen machen, oder viel  zu früh von der Mutter und Geschwistern getrennt werden? Tja, dann wird es schwierig – für den Hund und die neuen Besitzer.

Diesen Hunden fehlt etwas Elementares: ihnen war es nicht möglich, eine Art Grundvertrauen in diese Welt zu entwickeln, sie haben nicht gelernt, dass Menschen nett sind und sie nichts zu befürchten haben. Für diese Hunde können ganz alltägliche Dinge der blanke Horror sein. Sie können bei Kleinigkeiten in Panik verfallen und beruhigen sich danach nur schwer wieder.  In Stresssituationen können sie aggressiv reagieren. Manche blenden aber auch ihre Umwelt komplett aus und sind dann nicht mehr ansprechbar. Sie lernen langsamer,  sind schneller überfordert und leiden überdurchschnittlich oft an Dauerstress und den damit verbundenen gesundheitlichen Beschwerden wie z.B.  Magen-Darm-Problemen oder  häufigen Infekten.

Es leiden aber nicht nur die Hunde. Auch für die Besitzer ist dies eine große emotionale und letztendlich auch finanzielle Belastung. Mit acht Wochen sind die Welpen zwar noch sehr jung, möglicherweise haben sie aber schon ein schweres Bündel zu tragen.

 

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