Positive Verstärkung von Angstverhalten?

Einen ängstlichen Hund zu haben, ist nicht leicht – egal ob der Hund panisch vor einer herumfliegenden Plastiktüte davonstürmt, zitternd wie Espenlaub im Fahrstuhl steht oder in einer großen Menschenmenge zur Salzsäule erstarrt, seine Umwelt komplett ausblendet und nicht mehr zu erreichen ist. Schnell stößt man auf den Ratschlag, seinen Hund keinesfalls in einer solchen Situation zu trösten oder zu beachten, denn dies würde die Angst nur noch verstärken, denn der Hund würde es als Belohnung empfinden und so lernen, dass „Angst haben“ erwünschtes Verhalten ist… ist das wirklich so?

Durch positive Verstärkung wird mittels operanter Konditionierung die Auftrittswahrscheinlichkeit eines bestimmten Verhaltens erhöht, da diese Verhaltensweise für das Tier mit angenehmen Konsequenzen verbunden ist. Als Belohnung (Verstärker) kommt dabei alles in Frage, was von dem Tier individuell als angenehm empfunden wird: Futter, Spiel, Aufmerksamkeit und anderes.

Funktioniert dies nun aber auch bei Angstverhalten? Oder anders formuliert: wird sich die Angst des Tieres verstärken, wenn der Mensch Körperkontakt zulässt, Futter gibt, o.ä.? Auf rein operanter Ebene wäre dies zumindest anzunehmen.

Daneben passiert aber noch etwas anderes: nehmen wir an, Sie geben ihrem Hund, der sich vor großen schwarzen Hunden fürchtet, ein Leckerli, sobald Sie einen solchen Hund sehen und zwar unabhängig davon, was ihr Hund gerade tut. Unter der Voraussetzung, dass ihr Hund in dieser Situation überhaupt noch Futter annehmen kann, passiert bei einer hinreichend häufigen Wiederholung Folgendes: ihr Hund wird zunehmend weniger ängstlich reagieren, bis er Sie irgendwann beim Anblick des früher so gefürchteten schwarzen Hundes erwartungsvoll anblicken wird, weil er auf sein Leckerli wartet. Man spricht hierbei von Gegenkonditionierung, die auf der von Pavlov beschriebenen klassischen Konditionierung beruht. Und dieser Effekt scheint den Effekt der operanten Konditionierung zu überlagen.

Weshalb das Verhalten des Menschen dennoch einen verstärkenden Einfluss auf das Angstverhalten seines Tieres haben kann, liegt in zwei anderen Faktoren begründet.

Zum Einen bedeutet ein vom Menschen ausgehender Körperkontakt, z. B. in den Arm nehmen, streicheln, festhalten, etc. immer eine Einschränkung des Bewegungsspielraumes des Hundes. Möchte sich der Hund lieber zitternd in einer Ecke verkriechen und dort abwarten, bis der Spuk vorbei ist, und dieser Rückzug wird vom Menschen nicht toleriert, verstärkt dies die Missempfindungen in dieser Situation.
Sucht der Hund jedoch aktiv die Nähe zu seinem Menschen, drückt sich heran oder versucht den Kopf „zu vergraben“, ist es völlig in Ordnung, den Hund dann gewähren zu lassen, ihn zu streicheln oder mit ihm zu reden.
Beobachten Sie Ihren Hund gut und finden Sie heraus, was Ihrem Hund hilft. So unterschiedlich wie wir Menschen mit schwierigen Situationen umgehen, so unterschiedlich sind auch unsere Tiere.

Der zweite Aspekt ist dem zuzuschreiben, was man gemeinhin Stimmungsübertragung nennt. In jüngerer Zeit hat eine Entdeckung etwas wissenschaftlich salonfähig gemacht, was bislang im zwischenmenschlichen Kontext eher esoterisch anmutete: man darf nun von Schwingungen und Resonanz sprechen. Die Forschung hierzu steckt noch in den Kinderschuhen, aber die Vermutung liegt nahe, dass die Spiegelneurone auch artübergreifend eine nicht zu unterschätzende Rolle in der intuitiven Kommunikation spielen.
Die Effekte kennt jeder aus dem eigenen Erleben: in der Gegenwart mancher Personen fühlt man sich einfach wohl, bei anderen unwohl, man erwidert plötzlich ohne den Grund zu kennen ein Lächeln oder lässt sich vom hektischem Verhalten seines Gegenübers anstecken.

In gleichem Maße kann man es bei Menschen und ihren Hunden beobachten. Ist der Mensch ruhig und verhält er sich ruhig, so hat dies auch einen beruhigenden Effekt auf seinen Hund.
Im umgekehrten Fall gilt dies ebenso: weiß der Mensch vielleicht schon, dass sein Hund gleich ängstlich reagieren wird und antizipiert diese Angst schon, verändert sich sein Verhalten und seine (auch nonverbale) Kommunikation wirkt tatsächlich verstärkend auf die Angst des Hundes.

Abschließend kann man also sagen, wenn Ihrem Hund Zuwendung in welcher Form auch immer in einer Angstsituation hilft, dann trösten Sie Ihn ruhig.

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Therapiekäfig bei Trennungsangst

Eigentlich wäre dieses Thema in einem Satz abzuhaken: Vom Einsatz eines Therapiekäfigs ist abzuraten.

Aber schauen wir uns zunächst einmal die Standardempfehlung an: Gewöhnen Sie den Hund an die Box, indem Sie ihm sein Deckchen hineinlegen, ihn nur noch in der Box füttern, usw. Dann schließen Sie zuerst für kurze Zeit die Tür und steigern Sie die Dauer dann langsam. Verhält sich der Hund in der Box ruhig, können Sie die Tür wieder öffnen, bellt der Hund hingegen, kratzt an der Gittertür o.ä. dürfen Sie ihn nicht falsch bestätigen, indem Sie seinen Forderungen nachgeben und ihn wieder herauslassen. Wenn sich ihr Hund ruhig verhält, können Sie damit beginnen, den Raum zu verlassen. Auch hier gilt wieder: die ersten Male sofort wieder zurückkommen und dann die Zeit der Abwesenheit langsam steigern, bis sie schließlich die Wohnung für eine längere Zeit verlassen können.

Ein Hund, der kein Problem mit der räumlichen Enge einer Box hat, wird auch relativ leicht daran zu gewöhnen sein, in die  Box hineinzugehen und sich darin für eine begrenzte Zeit aufzuhalten. Wenn die Vorarbeit sauber war, wird er auch das Schließen der Tür gut tolerieren.

Der erste Kritikpunkt besteht allerdings schon darin, dass es Hunde gibt, die nur schwer dazu zu überreden sind, überhaupt eine Box zu betreten und die panisch werden, wenn hinter ihnen eine Tür geschlossen wird. Lässt man die Tür nun solange zu, bis sich der Hund beruhigt haben, spricht man in der Lerntheorie von der Methode des Flooding. Dabei wird ein Hund quasi mit dem angstauslösenden Reiz „überschwemmt“ und soll dabei lernen, dass die Angst unbegründet ist. Das Tier darf dabei erst wieder aus der Situation befreit werden, wenn es sich sichtbar entspannt. Die Gefahr bei dieser Methode ist, dass die Tür zu früh geöffnet wird, bevor sich das Tier wirklich entspannt hat, vielleicht weil es der Besitzer nicht mehr mitansehen kann oder weil sich das Tier aufgrund körperlicher Erschöpfung ruhig verhält. Dann passiert das, was man eigentlich vermeiden möchte, nämlich dass das Tier weiter sensibilisiert wird, also z.B. nicht mehr nur vor dem Schließen der Tür Angst hat, sondern nun bereits nicht mal mehr in die Nähe der Box gehen möchte oder seine Angst weiter auf alle engen Räume generalisiert und auch einen Fahrstuhl nicht mehr betreten möchte.

Nehmen wir nun an, wir haben einen Hund, der während der Anwesenheit des Besitzers ohne Probleme für einige Zeit in die Box gesperrt werden kann. Nun soll ja laut obiger Empfehlung der Besitzer kurz den Raum verlassen.
Um zu verstehen, worin nun das Problem liegt, müssen wir noch einmal die Theorie bemühen: bei einer Desensibilisierung soll der angstauslösende Reiz zunächst so abschwächt präsentiert werden, dass keine Angstreaktion erfolgt. Diese Vermeidung einer Angstreaktion ist auch bei der weiteren Steigerung der Reizintensität unbedingt zu beachten.

Denkbar sind hier wieder zwei Fälle: der Hund toleriert das Verlassen des Raumes noch ohne Angst zu zeigen oder der Hund zeigt bereits hier erste Stressanzeichen.

Im ersten Fall wird die Desensibilierung offensichtlich richtig durchgeführt, d.h. eigentlich spielt es keine Rolle, ob der Hund nun auf seinem Deckchen oder in  einer Box ruht.

Im zweiten Fall hingegen, besteht die Gefahr, dass die ersten Stresssymptome übersehen werden und nicht adäquat darauf reagiert werden kann. Damit ist die gesamte Therapie gefährdet und der Hund wird darüber hinaus die Box negativ verknüpfen mit den oben beschriebenen Folgen.

FAZIT

Die Methode der Wahl bei Trennungsangst ist die Desensibilisierung. Der Einsatz einer Box beschleunigt den Lernvorgang nicht, im Gegenteil, die Nachteile, die mit der Anwendung eines Therapiekäfigs verbunden sind, können als so schwerwiegend bezeichnet werden, dass von dem Einsatz dringend abzuraten ist.

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Sabine Winkler: Hunderassen

Als bekennender Fan ihrer Bücher hatte ich mich auf das Seminar mit Sabine Winkler ganz besonders gefreut.  Das Thema: “Hunderassen, Auswirkung der Rasse auf Training und Haltung, Probleme moderner Rassezucht“ klang vielversprechend und ich wurde nicht enttäuscht.

„Rassebeschreibung sind so ähnlich zu lesen wie Arbeitszeugnisse: etwas eindeutig negativ formuliertes werdet ihr dort nicht finden. Die Kunst ist es, zwischen den Zeilen zu lesen.“  So leitete Sabine Winkler das Seminar ein.

Ausgehend von der Domestikation ging sie auf die Entstehung und Besonderheiten verschiedener Hundetypen ein.

Anhand des Finnish Mental Tests zeigte sie, wie groß auch bei optisch relativ ähnlichen Rassen die Unterschiede im Wesen sein können. Publiziert wird das Ergebnis für eine Rasse erst, wenn mehr als hundert Individuen getestet wurden, um ein statistisch aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten.

Ausführlich wurden auch die Hütehunde besprochen und gerade hier hat mich doch erstaunt, was alles genetisch fixiert sein kann.

Rundum ein informatioves, arbeitsreiches Wochenende.

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Silvesterangst – die Therapie

Noch sind die Sandalen nicht in den Keller geräumt und wir nutzen jeden nachmittäglichen Sonnenstrahl, um unseren Kaffee im Freien zu trinken… und da soll man schon an Silvester denken?!

Ja! Denn jetzt ist es bereits höchste Zeit, um mit einer sinnvollen Therapie der Silvesterangst zu beginnen, denn diese nimmt mehrere Wochen in Anspruch.

Aber vorab vielleicht noch der Hinweis, wie es nicht gemacht werden sollte, da diese Methode immer noch in vielen Köpfen herumspukt.  Gemeint ist die Überlegung, das Tier einfach öfters Knallgeräuschen auszusetzen, damit es lernt, dass diese im Grunde harmlos sind. Auf den ersten Blick klingt dieser Gedanke ja durchaus logisch, allerdings wird es so nicht funktionieren. Denn der Hund wird nicht lernen, dass Böller, Schüsse oder ähnliches harmlos sind, sondern wird im Gegenteil immer stärker und früher mit Angst reagieren.
In der Verhaltenstherapie findet dieser Ansatz im sogenannten Flooding Anwendung. Unabdingbare Vorausetzung für den Erfolg des Floodings ist aber, dass das Tier dem angstauslösenden Reiz in seiner vollen Intensität so lange ausgesetzt wird, bis die Angstreaktion aufhört (nicht durch Erschöpfung!). Bricht man vorher ab, führt dies zu oben beschriebenen Folgen. Dies klingt nicht nur gruselig, das ist es auch. Heute wird diese Methode als tierschutzrelevant angesehen.

Tierfreundlicher geht es mit einer Desensibilisierung, und die braucht leider etwas Zeit.

Eigentlich ist es ganz einfach: Sie setzen Ihren Hund nur Knallgeräuschen in einer Lautstärke aus, die er gerade noch erträgt, ohne Anzeichen von Angst und Stress zu zeigen und steigern dann die Reizintensität bis zum vollen Umfang. So weit so gut.

Zu beachten gibt es aber einiges:

  • Warten Sie, bis sich Ihr Hund entspannt auf sein Deckchen legt und schalten Sie dann die CD leise ein.
  • Steigen Sie bei der Lautstärke nicht zu hoch ein: für den Anfang ist es völlig ausreichend, wenn Sie den Eindruck haben, man könne gerade noch erahnen, dass es sich um Feuerwerksgeräusche handelt. Hunde hören wesentlich besser als wir.
  • Machen Sie nicht viel Aufhebens darum, sonst wird Ihr Hund auf Sie reagieren. Am Besten, Sie bleiben auf dem Sofa sitzen und drücken nur das Knöpfchen der Fernbedienung.
  • Übungshäufigkeit: Mehrere kleine Übungseinheiten über den Tag verteilt sind ideal.
  • Bleiben Sie so lange auf einer Übungsstufe, bis Sie sicher sind, dass Ihr Hund diese Lautstärke angstfrei erträgt.
  • Wie schnell Sie zur nächsten Stufe wechseln können, hängt maßgeblich von Ihrem Hund und den von Ihnen gewählten Stufen ab. Beobachten Sie Ihren Hund gut!
  • Machen Sie die Unterschiede zwischen den einzelnen Übungsstufen nur sehr klein. Lieber gehen Sie dann etwas früher zur nächsten Stufe, als dass Sie die Lautstärke zu schnell erhöhen und Ihr Hund überfordert ist. Sollte Ihnen dies passieren, müssen Sie wieder „zurück auf Los“, d.h. Sie gehen nicht nur wieder zur letzen Stufe zurück, sondern mindestens zwei oder sogar noch mehr. Allerding brauchen Sie nun beim zweiten Durchgang nicht mehr so lange auf jeder Stufe zu trainieren.
  • Trainieren Sie grundsätzlich nur, wenn Ihr Hund und vor allem Sie entspannt sind.
  • Beschleunigen können Sie das Training auch noch dadurch, dass Sie Ihrem Hund NACH dem Einschalten der CD ein Leckerli geben. Wenn Sie dies einige Male wiederholt haben, wird das Feuerwerksgeräusch das Leckerli ankündigen und so von Ihrem Hund positiv verknüpft werden.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit dem Training. Es lohnt sich. Denn Knallgeräusche gibt es bekanntlich ja nicht nur zu Silvester.

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Trennungsangst beim Hund

Leidet ein Hund unter Trennungsangst, ist dies für das Tier und seine Familie eine große Belastung. Manche Tiere können nicht einmal für fünf Minuten alleine gelassen werden, ohne in Panik zu verfallen. Was dies für die Organisation des Alltags bedeutet, kann man sich unschwer vorstellen.

Als hochgradig soziales Tier, das zum Menschen eine mindestens ebenso enge Bindung wie zu Artgenossen aufbauen kann, ist es für einen Hund zunächst eine völlig normale Reaktion auf das Alleingelassenwerden mit Trennungsstress zu reagieren. Dass die Isolation eine vorübergehende ist und Herrchen zurückkommt, muss das Tier erst lernen.

Symptome

Die Bandbreite der Symptome reicht von stundenlangen Lautäußerungen (Bellen, Winseln, Heulen) zur Kontaktaufnahme, über Harn- und Kotabsatz im Haus, bis hin zu zerkauten oder gefressenen Gegenständen, zerstörten Möbeln und Schäden an der Wohnung selbst, typischerweise in der Nähe von Türen oder Fenstern.

In manchen Fällen soll es auch zu Aggressionen gegen den Besitzer kommen, wenn der Hund versucht, sein Herrchen daran zu hindern, das Haus zu verlassen.

Typischerweise setzt der Stress beim Hund nicht erst ein, wenn der Besitzer das Haus bereits verlassen hat, sondern schon bei den ersten Anzeichen, die das baldige Weggehen zuverlässig ankündigen. Normalerweise sind dies Aktivitäten wie Jacke und Schuhe anziehen, Tasche packen, Schlüssel nehmen, etc.

Andere Ursachen

Nicht jeder Hund der in Abwesenheit seines Menschen in die Wohnung pinkelt oder etwas kaputt macht, leidet unter Trennungsangst. Andere Ursachen können beispielsweise eine mangelnde Erziehung zur Stubenreinheit, bei der Zerstörung von Gegenständen Langeweile oder bei andauerndem Bellen aufmerksamkeitsforderndes Verhalten sein.

Je mehr der oben genannten Symptome aber gleichzeitig auf Ihren Hund zutreffen, desto wahrscheinlicher ist es, dass es sich um Trennungsangst handelt.

Prognose

Die Prognose bei Trennungsproblemen ist schwierig zu stellen. Zum einen hängt sie natürlich immer davon ab, wie schwerwiegend das Problem bereits ist und wie lange es schon besteht. Zum anderen ist es auch eine Frage, wie konsequent ein Training unter Umständen auch bis zu einem halben Jahr durchgehalten werden kann, denn eine schnelle Lösung gibt es hier nicht.

Therapie

Die Methode der Wahl ist bei der Behandlung der Trennungsangst die systematische Desensibilisierung. Hierbei wird der Hund in so kleinen Schritten an das Alleinsein gewöhnt, dass keine Stressreaktion des Hundes mehr erfolgt. In schweren Fällen kann dies damit beginnen, dass der Besitzer den Raum verlassen kann, ohne dass der Hund in Panik verfällt und ihm an den Fersen klebt.
In winzig kleinen Schritten werden nun die Anforderungen an den Hund erst dann gesteigert, wenn er eine Aufgabe gut bewältigt hat.
Wo man mit dem Training beginnt und welche Schritte man wann wählt, muss stets im Einzelfall entschieden werden. Lieber zu lange auf einem Trainingsniveau verharren, als den Hund zu überfordern.

Während der Therapie sollte der Hund außerhalb der Trainingszeiten nicht alleine sein. Diese Prämisse ist vielleicht die größte Herausforderung bei einer Therapie, die sich über Monate hinziehen kann. Sollte es in Ausnahmefällen einmal unumgänglich sein, den Hund alleine zu lassen, bietet sich die Einführung eines Signales an, die dem Hund ankündigt, dass dies nun keine Trainingssituation ist.

Neben dem eigentlichen Training gibt es noch weitere Maßnahmen, die zum Erfolg beitragen können.
Der Unterschied zwischen An-und Abwesenheit sollte möglichst gering sein. Also kein hektisches Hin und Herlaufen bevor man das Haus verlässt, nicht noch einmal schnell ein Runde mit dem Hund spielen, weil er ja gleich niemanden mehr hat, etc. Ebenso beim Nachhausekommen bitte keine großes Begrüßungsritual bei dem der Hund noch so richtig hochgepusht wird, sondern lieber nur kurz den Hund begrüßen und sich dann mit einer Tasse Tee aufs Sofa setzen.

Feste Strukturen geben Sicherheit: ein Hund der weiß, zu welchen Zeiten er Gassigehen darf, sein Futter bekommt, mit ihm gespielt wird, wann mit ihm geschmust wird, der kann sich auch einfach mal entspannt irgendwo ablegen und schlafen. Er verbleibt nicht den ganzen Tag in einer ständigen Erwartungshaltung nach dem Motto: „was passiert als nächstes?“
Unabdingbar hierfür sind aber auch Liege- und Ruheplätze, an denen sich der Hund wohlfühlt.

Literatur

O`Heare, James: Trennungsangst bei Hund – ein Arbeitsbuch, Animal Learn Verlag, Bernau 2004;

Wergowski, Christiane: Alleine bleiben – Die Hundeschule, Müller Rüschlikon Verlag, Stuttgart 2008;

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ACHTUNG! LEBENSGEFAHR!

Wem diese Überschrift vielleicht etwas zu sehr nach unseriöser Panikmache klingt, gehört mit Sicherheit zu den Menschen, die jedes Jahr in der Presse die Beiträge zum Thema Sommerhitze überfliegen und sich sagen, dass sich das ja alles von selbst verstehe und warum sich überhaupt irgendjemand die Mühe macht, darüber zu schreiben, dass sich Autos im Sommer aufheizen.

Aber leider kehren eben nicht nur solche Artikel in dieser Regelmäßigkeit wieder, sondern auch die Meldungen von in abgestellten Wagen kollabierten Hunden, von Hunden, die von engagierten Passanten oder der Polizei in letzter Minute gerettet wurden, aber auch von Tieren, die nicht so viel Glück hatten und einen qualvollen Tod erlitten.

Deshalb:  Niemals – unter keinen Umständen – auch nicht für eine noch so kurze Zeit – einen Hund im Sommer im Auto zurücklassen!

Und selbst bei moderaten frühsommerlichen Temperaturen kann sich der Wagen in der Sonne so aufheizen, dass es für den Hund lebensbedrohlich wird.

Hunde haben nur wenige Schweißdrüsen, sie können also ihre Temperatur nur über Hecheln regulieren. Dies reicht aber nicht aus, um die extremen Temperaturen, die im Sommer im Auto entstehen, auszugleichen. Ein teilweise geöffnetes Fenster bietet bei weitem keine Entlastung.

Besonders gefährdet sind Welpen, Jungtiere, alte und kranke Tiere (insb. Herzerkrankungen).

Aber auch der ganz normale Alltag ist bei hohen Temperaturen für die meisten Tiere eine Belastung. Was kann man tun, um seiner Fellnase etwas Erleichterung zu verschaffen?
Hier einige Anregungen:

Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Dass zu Hause Wasser stets zur freien Verfügung steht, sollte eine Selbstverständlichkeit sein, aber im Sommer zusätzlich auf längeren Autofahrten, Spaziergängen oder im Biergarten nicht nur an die eigene Wasserflasche denken, sondern auch für den Hund eine mitnehmen. Trinknäpfe für unterwegs gibt es in verschiedenen Ausführungen.

Für Abkühlung sorgen: damit meine ich nicht (!) einem schon stark erhitzten Hund eine eiskalte Dusche zu verordnen, dies wäre nur eine weitere Belastung für den Kreislauf. Um die Verdunstungskälte zur Abkühlung auszunutzen reicht es völlig, den Hund mit lauwarmen oder leicht kühlem Wasser abzuduschen. An den Pfoten anfangen und erst dann Bauch und Rücken. Wasser über den Kopf mögen manche Hunde nicht so gerne und das muss auch nicht sein. Für zu Hause gibt es auch die Alternative, den Hund mit einem nassen Handtuch zuzudecken.

Liegeplätze: kühle Liegeplätze im Haus sollte der Hund bei Bedarf aufsuchen können. Meistens legen sie sich gerne auf einen kalten Untergrund, in den Keller oder abends dann ins Freie.

Spaziergänge: gerade bei alten Tieren empfiehlt es sich, morgens einen etwas ausgedehnteren Spaziergang zu machen und vom späten Vormittag bis zum frühen Abend nur kurze Runden zu drehen und möglichst schattige Wege zu benutzen.

Für den Hund mitdenken: gerade junge Hunde kennen oft kein Halten, wenn es um ihr Lieblingsspiel geht. Seien es Bällchen-Spiele oder ein wildes Laufspiel mit ihrem Hundefreund – manche Hunde würden buchstäblich rennen bis zum Umfallen. Da hilft nur eines – den jungen Wilden eine Zwangspause verschaffen, indem man sie zu sich ruft, etwas zu trinken anbietet, eine kurze Rast an einem Gewässer einlegt oder wenn gar nichts hilft, sie auch kurz an die Leine nimmt.

Sommerfrisur: Rassen mit dichtem Fell und viel Unterwolle kann mit einem sommerlichen Kurzhaarschnitt geholfen werden – auch wenn so manchem „Rassefreund“ angesichts des geschorenen Hundes die eigenen Haare zu Berge stehen…

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Martin Pietralla: Clickern bei Problemhunden

Mit dem Clickertraining assozieren viele Hundehalter noch eine nette Methode, seinem Hund mehr oder weniger sinnvolle Kunststückchen beizubringen. Dass dies aber nur eine Facette ist und wieviel mehr das Clickern zu leisten vermag, insbesondere bei der Arbeit mit sogenannten Problemhunden, war das Thema des Abendvortrages und Seminars von Martin Pietralla in Nürnberg. So reicht die Palette von Angststörungen bis zu aggressivem Verhalten.

Wenn man Einfluss auf das Verhalten nehmen möchte, sind profunde Kenntnisse der Lerntheorie unabdingbar, weshalb dem theoretischen Teil auch im Rahmen des Abendvortrages viel Beachtung geschenkt wurde. Neben den Basics wurde auch auf neuere Forschungsergebnisse hingewiesen, so z.B. dass in der Suchtforschung gezeigt wurde, dass allein durch das konditionierte „Click“ ein Dopaminausstoß erfolgt.

Beim Praxisteil am nächsten Tag zeigte Herr Pietralla dann wie die konkrete Umsetzung aussehen kann. Positiv aufgefallen ist dabei, der ausgesprochen gelassene Umgang mit den Hunden und wie individuell auf die einzelnen Hunde (und deren Besitzer) eingegangen wurde.  Ergänzend wurden einige Videos gezeigt.

Herr Pietralla betonte, wie wichtig seine „Experimentierfreudigkeit“, die ihm als Physiker eigen sei, für seine Arbeit gewesen sei und machte den Teilnehmern Mut zu eigenen Experimenten. Wer jetzt aber glaubt, dies hieße, einfach mal loszulegen, frei nach dem Motto: „schauen wir mal, dann sehen wir schon!“ irrt. In seinen Beispielen wurde deutlich, dass die  Experimente tatsächlich als solche zu verstehen sind: Hypothesenbildung aufgrund sachlogischer Überlegungen und deren systematische Überprüfung im Feldversuch.

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Die erste Begegnung: Neugeborenes und Hund

Wie stelle ich unserem Hund unser Baby vor? Vor dieser Frage stehen alle werdenden Eltern, egal ob nach einer ambulanten oder einer stationären Entbindung.

Die Verunsicherung und die Aufregung sind oft groß, denn auch in die Elternrolle und die damit einhergehende Verantwortung muss man ersteinmal hineinwachsen. Darüber hinaus setzen sich viele selbst unter Druck in dem Anspruch, alles richtig machen zu wollen und den Grundstein für ein harmonisches Aufwachsen ihres Kindes mit dem Hund zu legen. Dieser Wunsch ist natürlich sehr berechtigt, wertet aber diese erste Begegnung unangemessen auf.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Sorge um das gesundheitliche Wohlergehen des Babys. Schreckensmeldungen aus den Nachrichten hat wohl jeder noch im Kopf, in denen über ernsthafte Verletzungen oder sogar die Tötung eines Babys oder Kleinkindes durch einen Hund berichtet wird. Aber auch die vielen gutgemeinten Ratschläge zur Hygiene spuken noch irgendwo im Kopf herum: ein Hund könne ja soviele Krankheiten übertragen. Gerade hierzu möchte ich nur ein Zitat anführen: dies kann unsere eigene Art auch!

Oft hört oder liest man, dass sich ja die Alphawölfin mit ihrem Nachwuchs vom Rudel zurückzöge, und wir Menschen als Rudelführer deshalb auch unserem Familienhund in der ersten Zeit keine Kontaktaufnahme zum Neugeborenen ermöglichen dürften.

Von begrifflichen Unsauberkeiten mal abgesehen, hat dieser Gedankengang noch einen weiteren Haken: biologisch hat es seinen Sinn, dass sich die Wölfin mit ihren  Welpen nicht mitten im Rudelzentrum aufhält.  Dieses Verhalten einfach kopieren zu wollen, macht keinen Sinn. Denn die künstliche Barriere, die dadurch geschaffen würde, trägt nur dazu bei, dass der Hund zu der ganz normalen Umstellung, die ein Baby mit sich bringt, auch noch damit umgehen muss, dass er sich in Anwesenheit des Babys seinen Menschen nicht mehr nähern darf oder von vorneherein isoliert wird. Dies wird vom Hund nicht etwa instinktiv als „Dominanzgeste des Menschen“ verstanden und akzeptiert, vielmehr verunsichert es den Hund und trägt dazu bei, dass der Hund lernt, das Baby als Auslöser für unangenehme Konsequenzen zu erkennen: sobald Frauchen das B aby auf dem Arm hat, werde ich weggesperrt.
Nochmal – weil es so wichtig ist: Die Verknüpfung Baby = Soziale Isolation für den Hund gilt es unter allen Umständen zu vermeiden.
Es entstehen keine Probleme, weil man den Hund zu früh das Baby begrüßen lässt.

Wie sollte die erste Begegnung denn nun aussehen?

Auf jeden Fall entspannt. Die junge Mama darf natürlich zuerst einmal ausgiebig den Hund begrüßen oder das Baby versorgen oder sich selbst einen Tee machen und zu Hause ankommen.

Die Mutter sollte das Baby sicher im Arm haben und dann in aller Ruhe den Hund am Baby schnüffeln lassen. Durch den intensiven Kontakt von Mutter und Kind hat das Kind bereits den Familiengeruch an sich. Manche Eltern gehen auch auf Nummer sicher und bringen dem Hund etwas mit Babygeruch schon vor der Ankunft von Mutter und Kind nach Hause mit, aber in meinen Augen weiß der Hund, dass dieser neue Erdenbürger zur Familie gehört.

Ob man dem Hund erlauben möchte, kurz über Händchen oder Hinterkopf zu lecken, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wird die Stelle danach gleich abgewaschen, spricht zumindest aus gesundheitlichen Aspekten nichts dagegen.

Sollte sich ihr Hund schon vorher durch ein unvermittelt ausbrechendes Babygeschrei erschreckt haben, erzwingen Sie nichts. Bei manchen sensiblen Hundepersönlichkeiten hat so ein Schreckerlebnis nachhaltige Wirkung und überwiegt die Neugier. Am Besten kommentieren Sie das Weinen einfach mit einem Satz (z.B. „ganz schön laut, was?“) und kümmern Sie sich dann in aller Ruhe um Ihr Kind. Je mehr Ruhe Sie ausstrahlen, desto mehr Sicherheit bekommt Ihr Hund dadurch.
Bei den nächsten Annäherungsversuchen gehen Sie mit dem Baby auf dem Arm in die Hocke, sprechen Sie Ihren Hund freundlich an und locken Sie ihn zu sich. Dies gibt ihm die Möglichkeit, Tempo und Distanz selbst zu bestimmen. Wenn er sich beim ersten Mal nur bis auf einen Meter herantraut ist dies völlig in Ordnung. Es gibt keinen Zeitdruck. Nach ein paar Tagen wird er gelernt haben, dass Babygeschrei zwar beängstigend laut sein kann, aber im Grunde keine Gefahr für ihn darstellt.

Eigentlich doch völlig unspektakulär, oder? Und beim nächsten Kind wird die Situation noch entspannter ablaufen, denn weder für den Hund, noch für die Eltern ist dies eine neue Situation. Bei meiner Hündin hatte ich das Gefühl, als würde sie sich nur noch denken: „aha, noch so einer…“

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Diagnose: Dominanz

… und kein Ende in Sicht.

Dass sich manche „Weisheiten“ lange halten, ist ja aus vielen Bereichen bekannt. Dies trifft umso mehr zu, wenn sie einem menschlichen Bedürfnis nach möglichst einfachen Erklärungsansätzen gerecht wird. Leider sind sie meist nur bedingt geeignet, die Wirklichkeit in adäquater Weise abzubilden, was ihrer Beliebtheit aber keinen Abbruch tut.

Ein solches Beispiel ist die Dominanztheorie. Wahlweise kann man dieses Phänomen auch mit einer nicht eindeutig zu Gunsten des Besitzers geklärten Rangordnung oder fehlender Alphaposition des Besitzers umschreiben.
So gibt es kaum einen Halter eines sogenannten „Problemhundes“ (die Anführungszeichen deshalb, weil auch dieser Begriff besser mit Vorsicht zu genießen ist), der nicht schon mal von einem anderen Hundehalter darauf angesprochen worden wäre, ob hier „wohl der Hund der Chef sei“.  Wobei es keine Rolle spielt, ob es sich um Aggression gegenüber Menschen, „Pöbeln“ an der Leine oder einfach nur dem nicht zuverlässigen Befolgen des Rückrufs geht. Selbst vor Angststörungen wird nicht zurück geschreckt, obgleich schon das Gegenüberstellen der Begrifflichkeiten diese Erklärung ad absurdum führt.
In der Natur der Sache von einfachen Erklärungen liegt auch, dass meist einfache Lösungsansätze propagiert werden. In diesem Fall muss dann eben die Besitzerdominanz gestärkt, respektive die Rangordnung geklärt werden, d.h. „dem Hund muss einfach mal gezeigt werden, wer der Herr ist“, und im Zuge dessen verschwinden – wenn auch nicht alle- so aber zumindest die meisten Probleme.

Die Folgen für Hund und Halter sind nicht trivial. Inwieweit nachfolgende Aufzählung auf einen konkreten Einzelfall zutrifft, hängt u.a. von der Art und Ausprägung des Problemverhaltens, den ergriffenen Maßnahmen und natürlich der Persönlichkeitsstruktur von Hund und Halter ab.
Die Konsequenzen für den Halter können Schuldgefühle oder ein vermindertes Selbstwertgefühl sein, weil er sich gegenüber dem Hund als schlechte Führungspersönlichkeit erwiesen hat, was dann  die Bereitschaft erhöhen kann, auch stark aversive Maßnahmen einzusetzen mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Mensch-Hund-Beziehung. Ebenfalls kann die Beziehung darunter leiden, dass dem Hund, in menschlichen Maßstäben gemessen, eine  Motivation unterstellt wird, die auf die Durchsetzung eigener Interessen zur Schwächung der Besitzerposition abzielt. Dazu kommt, dass manche Maßnahmen zu Verbesserung der Besitzerdominanz, unter Umständen nicht nur nichts zur Lösung des Problems beitragen, sondern kontraproduktiv sind.
All dies trägt zu einer Verschlechterung der Lebenssituation des Hundes bei.

Aber nicht nur unter Laien treibt die Dominanztheorie noch ihr Unwesen, auch bei einigen Fachleuten scheint sie noch überaus beliebt zu sein, was für mich persönlich die eigentliche Katastrophe darstellt. Unsinn, wissenschaftlich verpackt.

Nicht verschweigen möchte ich dennoch, dass manche Empfehlungen durchaus zielführend sind und ihre Berechtigung haben. Aber ob ihre Wirksamkeit wirklich daraus resultiert, dass nun eine Rangordnung geklärt ist, oder ob einfach der Hund gelernt hat, was in bestimmten Situationen von ihm erwartet wird? Letzteres halte ich zumindest für sehr wahrscheinlich. Ich würde mir wünschen, dass die Verhaltensberatung zukünftig ohne Begriffe der sozialen Ordnung für die Diagnose und Therapie auskommt. Von fachlichen Aspekten einmal abgesehen, ist durch übermäßige Härte im Umgang mit Hunden und falschen Vorstellungen von dem Sozialsystem und daraus abgeleitet den zugrundeliegenden Motivationen für bestimmte Verhaltensweisen, viel Leid verursacht worden.

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Silvesterangst: Last Minute

Eine systematische  Therapie der Silvesterangst  sollte man sinnvollerweise dann beginnen, wenn eigentlich noch niemand über Silvester nachdenkt…da aber diesbezüglich für dieses Jahr der Zug abgefahren ist, bleibt die Frage, was man denn noch tun kann, um zumindest die Symptome abzumildern.

Wohnung

In der Wohnung sollte es möglichst ruhig zugehen. Die Jalousien herunterlassen und eine leise Geräuschkulisse, z.B. ruhige Musik im Hintergrund, helfen schon einmal, viel vom dem Getöse draußen zu lassen.
Katzen, die sich gerne verstecken möchten, sollten in ihrem Versteck bleiben dürfen.

Medikamente

Beruhigungsmittel haben vor allem für einen eine beruhigende Wirkung: nämlich für den Besitzer. Äußerlich wirken die Tiere ruhig und entspannt. In Wirklichkeit durchleben sie ihre Angst bis zu einem gewissen Grad, sind aber der Möglichkeit beraubt, sich aktiv damit auseinanderzusetzen.
Auch sollten niemals Medikamente aus der eigenen Hausapotheke zum Einsatz kommen.Wer nicht auf eine medikamentöse Ruhigstellung verzichten möchte, sollte sein Tier beim Tierarzt vorstellen, der die Medikamente nur nach einer allgemeinen Untersuchung abgibt. Bei falscher Anwendung droht im Extremfall Lebensgefahr.

Pflanzliche Präparate sind in der Regel mit weniger Nebenwirkungen behaftet, haben aber eine nicht ganz so „beeindruckende“ Wirkung, dafür sind sie tatsächlich in der Lage, die Angst zu reduzieren und die Tiere ein wenig gelassener zu machen. Der Nachteil: sie müssen meist über mehrere Wochen eingenommen werden, bis sich die Wirkung zeigt. Allerdings darf man in einer Ausnahmesituation wie Silvester hier keine Wunder erwarten. Die Wirkung wird sich eher bei generell ängstlichen Tieren im Alltag zeigen, wenn ein anderer angstauslösender Reiz in geringerer Intensität auftritt.

Faktor Mensch

Wie immer bei einer Angstproblematik hat der Mensch einen entscheidenden Einfluss auf die Angst seines Tieres – in die eine oder die andere Richtung.

Lange Zeit lautete die Standardempfehlung, die Angstreaktionen des Tieres zu ignorieren, um sie nicht zu verstärken.

Unumstritten ist, dass sich die Stimmungslage von Mensch und Tier wechselseitig beeinflussen können. Ist der Halter nervös und angespannt, überträgt sich dies auch auf das Tier. Gut gemeinte Beruhigungsversuche wie zureden oder streicheln kann dann in der Tat einen genau gegenteiligen Effekt haben. Hunde können den Stress des Menschen riechen, außerdem verändert sich unter Anspannung die Stimmfarbe und Stimmlage, meist wird sehr viel höher und schneller gesprochen, die Atmung verändert sich und der ganze Körper ist angespannt. Dies alles nimmt der Hund wahr. Die Botschaft die ihm der Mensch so „zwischen den Zeilen“ sendet ist: du hast recht – hier gibt es etwas bedrohliches.

Andererseits ist der Mensch selbst ruhig, spricht sehr laaaangsam und monoton, bewegt sich ruhig und ist in der Lage, die Signale seines Tieres richtig zu deuten, kann er sehr wohl beruhigend auf seinen Vierbeiner einwirken ohne die Angst zu verstärken.

Die Deutung der Signale ist einer der zentralsten Aspekte. Es gibt Tiere, die engen Körperkontakt suchen und sich durch ruhiges, gleichmäßiges Streicheln (oder wer`s kann TTouches) beruhigen, andere möchten nur die Nähe zum vertrauten Menschen haben, aber nicht unbedingt angefasst werden. Zwischen beiden Fällen unterscheiden zu können, ist der Knackpunkt. Manche Tiere flüchten in höhlenartige Verstecke: diese sind unbedingt zu respektieren!

Aufenthalt im Freien

Schon in den Tagen vor Silvester, wenn die ersten Kracher zu hören sind, ist es sicherer, Freigänger Katzen im Haus zu behalten und Hunde nur noch an der Leine auszuführen. Ein Tier, das in Panik kopflos nur in die dem Böller entgegengesetzte Richtung rennt, gefährdet in erster Linie sich selbst, aber auch andere.

Für den Silvesterabend lohnt es sich, wer die Möglichkeit hat, mit seinem Hund aus der Stadt raus zu fahren. Aber auch hier die Leine bitte nicht vergessen. Auch in den entlegensten Winkeln ist hin und wieder ein Böller zu hören.

Sonstiges

Essen / Kauen beruhigt: Kauspielzeug anbieten, das lange beschäftigt.

Ablenkung durch leichte Denkaufgaben oder Spiele: wichtig ist, dass die Aufmerksamkeit von den Geschehnissen draußen abgelenkt wird. Dies gelingt aber nur, wenn die gestellten Aufgaben den richtigen Schwierigkeitsgrad haben. Bedenken Sie: in Angstsituationen funktioniert unser Gehirn anders als normal, deshalb lieber tendentiell zu leicht einsteigen.

T-Shirt: Hunde mit Phobien oder Angststörungen haben oft eine veränderte Körperwahrnehmung. Ihnen kann es helfen durch ein enganliegendes T-Shirt ihre Körpergrenzen besser wahrzunehmen, was angstreduzierend wirken kann.

Katzen: wie immer in außergewöhnlichen Belastungssituationen ist der unterstützende Einsatz von Feliway sinnvoll. Die Pheromone wirken stressreduzierend.

…ich wünsche allen Lesern ein glückliches und gesundes neues Jahr!

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